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Das Philharmonische Tagebuch

Aktuelles 2008

Sa, 06. September 2008

Aktuelles

 

Bleibende Maßstäbe

Prof. Horst Stein

Am 27. Juli 2008 starb Generalmusikdirektor Horst Stein in Vandœuvres im Schweizer Kanton Genf im Alter von 80 Jahren. Der am 2. Mai 1928 in Elberfeld (Wuppertal) geborene Künstler besuchte das Musische Gymnasium in Frankfurt/Main, wo er Klavier, Oboe, Schlagwerk und Gesang lernte, studierte anschließend an der Kölner Hochschule für Musik Dirigieren bei Günter Wand und begann seine Laufbahn im Jahre 1947 als Korrepetitor an den Städtischen Bühnen in Wuppertal. Erich Kleiber engagierte ihn 1955 an die Staatsoper Unter den Linden, wo er bis 1961 zunächst als Staatskapellmeister, dann als koordinierter Generalmusikdirektor arbeitete. Weitere Stationen seiner Karriere waren die Staatsoper Hamburg (1961 bis 1963) und das Nationaltheater Mannheim, das er von 1963 bis 1970 als Generalmusikdirektor und Operndirektor leitete. Von 1969 bis 1971 bekleidete er an der Wiener Staatsoper, wo er insgesamt 532 Vorstellungen von 38 verschiedenen Opern dirigierte, die Stelle eines Ersten Kapellmeisters. Im Anschluß daran wirkte er wiederum in Hamburg, war von 1980 bis 1985 Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Orchestre de la Suisse Romande in Genf und leitete schließlich noch bis 1994 bzw. 1996 das Basler Sinfonieorchester und die Bamberger Symphoniker.

Der gefeierte Strauss- und Wagner-Dirigent – zwischen 1969 und 1986 dirigierte er 138 Aufführungen auf dem Grünen Hügel in Bayreuth! – stand bei der Salzburger Mozartwoche 1970 erstmals am Pult der Wiener Philharmoniker und debütierte zwei Monate später, am 21./22. März 1970, mit Theodor Bergers "La Parola" und "Frauenstimmen im Orchester" bzw. Richard Strauss’"Also sprach Zarathustra" in den Abonnementkonzerten. Bei seinen weiteren neun Auftritten in unserem Zyklus dirigierte er unter anderem die Uraufführung von Helmut Eders Vierter Symphonie (15./16. Oktober 1977), Hans Pfitzners Kantate "Von deutscher Seele" (27./29. März 1983), Franz Schmidts monumentales Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" (15./16. April 1989) sowie Anton Bruckners Zweite, Dritte und Sechste Symphonie. Insgesamt leitete er 41 Konzerte unseres Orchesters in Wien, Salzburg (Mozartwoche und Salzburger Festspiele), Innsbruck, Bregenz, Zürich, Essen und Düsseldorf sowie drei Opernproduktionen bei den Salzburger Festspielen: Richard Strauss’ "Capriccio" (1985-1987, 1990), Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" (1987-1989) und Beethovens "Fidelio" (1990). Außerdem dirigierte er eine Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Beethovens mit Friedrich Gulda als Solist und Einspielungen der Zweiten und Sechsten Symphonie von Anton Bruckner.

In den letzten Jahren mußte sich Horst Stein aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr vom musikalischen Geschehen und damit auch von unserem Orchester zurückziehen. Zunächst erfolgte sein Abschied als Konzertdirigent – anläßlich der Philharmonischen Abonnementkonzerte vom 27./28. April 1991 leitete er Paul Hindemiths Symphonie "Mathis der Maler", Carl Maria von Webers Fagottkonzert (Solist: Michael Werba) und Robert Schumanns Vierte Symphonie. Seine letzte Premiere an der Wiener Staatsoper war "Die schweigsame Frau" von Richard Strauss (1996), am 14. März 1999 dirigierte er im Haus am Ring "Ariadne auf Naxos", und bei dieser Vorstellung sahen wir ihn, ohne es damals zu wissen, zum letzten Mal. Am 2. Mai des heurigen Jahres konnte er noch seinen 80. Geburtstag feiern, zu dem ihm Ulla Schulz, die Gattin unseres Ersten Soloflötisten, der mit ihm im erwähnten Abonnementkonzert vom 15./16. Oktober 1977 das Flötenkonzert von Jacques Ibert spielte und mit dem er bis zuletzt in freundschaftlichem Kontakt stand, die Glückwünsche der Wiener Philharmoniker überbrachte.

Horst Stein hinterließ bereits zu Lebzeiten eine Lücke, die nie geschlossen wurde und welche alle Orchestermusiker, die mit ihm über einen langen Zeitraum arbeiteten, als schmerzlich empfinden. Mit ihm verlor die internationale Musikwelt einen der fundiertesten Könner am Dirigentenpult, einen Kapellmeister im idealen Sinn des Wortes und gleichzeitig leidenschaftlichen Interpreten, der vor allem in der Oper Publikum und Mitwirkende gleichermaßen mitriß und mit seiner stets souveränen Beherrschung von Orchester und Bühne bleibende Maßstäbe setzte.

-- Dr. Clemens Hellsberg

 

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