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Das Philharmonische Tagebuch

Aktivitäten 2009

Mi, 14. Jänner 2009

Aktivitäten

 

Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2009

Das heurige Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker war durch mehrere Premieren und ein großes Jubiläum charakterisiert: Erstmals stand Joseph Haydn auf dem Programm, erstmals wurde es von Daniel Barenboim dirigiert, erstmals war ROLEX der Exklusivsponsor, erstmals erfolgte die weltweite TV-Vermarktung durch die Luzerner Firma T.E.A.M. Marketing AG – und zudem konnten 50 Jahre TV-Übertragung des Neujahrskonzert durch den ORF gefeiert werden. Nachdem erst im Vorjahr mit 59 Fernsehstationen, die das Ereignis live oder zeitversetzt übertrugen, eine Rekordzahl erreicht worden war, wurde das heurige Konzert von 73 TV-Sendern in 71 Ländern übernommen (Europa 39, Amerika 17, Asien/Ozeanien 9, Afrika 6).

Der erste Teil bestand ausschließlich aus Werken von Johann Strauß Sohn und nahm Bezug auf die Biographie von Daniel Barenboim, dem Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin: Die Eröffnung erfolgte durch die Ouvertüre zu "Eine Nacht in Venedig", also zu jener Operette, die in Berlin (und somit als einzige des Meisters nicht in Wien!) uraufgeführt wurde. Mit dem Walzer "Märchen aus dem Orient", op. 444, der erstmals in einem Neujahrskonzert auf dem Programm stand, wurde auf jenes moderne Märchen hingewiesen, das Daniel Barenboim gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said schrieb – auf das 1999 gegründete "West-Eastern Divan Orchestra". Die 1852 komponierte "Annen-Polka" führte in die Familiengeschichte des Meisters – seine Mutter hieß Anna, geb. Streim –, während die im Neujahrskonzert erstmals aufgeführte "Schnellpost-Polka", op. 159, zu einer Episode im Familienleben von Daniel Barenboim überleitete: Die Aufführung des Walzers "Rosen aus dem Süden", op. 388, erfolgte auf besonderen Wunsch seiner Frau, der russischen Pianistin Elena Bashkirova. Die Schnellpolka "Freikugeln", op. 326, erinnerte an ein versöhnliches Ereignis, wurde sie doch für das "Bundesfestschießen der internationalen Schützenvereine" geschrieben, welches 1868 im Wiener Prater stattfand und in dessen Rahmen Teilnehmer aus Österreich und Preußen, die zwei Jahre zuvor noch in einen blutigen Krieg verwickelt waren, einen friedlichen Wettkampf austrugen.

Der zweite Teil des Neujahrskonzerts war indirekt auf Joseph Haydn bezogen. Der Meister war von 1761 bis 1790 und von 1795 bis 1809 Kapellmeister der Fürsten Esterházy und verbrachte in dieser Eigenschaft durch fast drei Jahrzehnte den größeren Teil des Jahres in Eisenstadt bzw. auf Schloß Esterháza. In Würdigung der großen Verdienste der ungarischen Magnatenfamilie um die Kulturgeschichte Europas waren mehrere Programmpunkte dem "ungarischen" Strauß gewidmet: Zwei direkt dem "Zigeunerbaron" entnommene Musikstücke (Ouvertüre und Einzugsmarsch) bzw. der aus Tanzmotiven dieser Operette gebildete "Schatz-Walzer", op. 418, wurden mit der Schnellpolka "Éljen a Magyár!", op. 332, kombiniert, welche Johann Strauß "der edlen ungarischen Nation" widmete.

Dazwischen gab es mittels dreier Erstaufführungen in der Geschichte des Neujahrskonzerts eine "musikalische Reise" durch Europa. Mit seinem "Valse espagnole" war Joseph Hellmesberger jun., der von 1901 bis 1903 als Abonnementdirigent und Vorstand der Wiener Philharmoniker fungierte, zum achten Mal im Neujahrskonzert vertreten; Johann Strauß Vater war mit dem "Zampa"-Galopp präsent, der auf der gleichnamigen, unerhört erfolgreichen Oper des französischen Komponisten Louis-Joseph-Ferdinand Hérold beruht; und die "Alexandrinen-Polka" erinnerte an ein überaus wichtiges Kapitel im Leben von Johann Strauß, wurde sie doch in Pawlowsk bei St. Petersburg geschrieben, wo der Meister mehrere Sommer mit größtem Erfolg tätig war.

Die Schnellpolka "Unter Donner und Blitz", op. 324, von Johann Strauß und der Walzer "Sphärenklänge", op. 325, seines Bruders Josef, eines der größten und tiefsinnigsten Werke des gesamten Genres, waren ebenfalls zwischen der auf Ungarn bezogenen "Rahmenhandlung" angesiedelt, ehe der musikalische Jahresregent mit einem seiner berühmtesten Werke zu Wort kam: Die "Abschiedssymphonie" ist bis heute Gegenstand zahlreicher Theorien, deren beliebteste die Erzählung ist, der Meister habe damit die Unzufriedenheit der Mitglieder der Esterházyschen Kapelle ausgedrückt, denen die Sommersaison im Schloß zu lange dauerte. Wie auch immer – die in zahlreichen Kopien stehende Anweisung an das Orchester, das Podium nach und nach zu verlassen, wurde selbstverständlich auch beim Neujahrskonzert 2009 befolgte: eine Hommage an den "Vater der Symphonie", wie Haydn auch genannt wird, und gleichzeitig an den einzigartigen Humor dieses so brillanten und hinsichtlich seiner Bedeutung bis heute bei weitem nicht adäquat gewürdigten Genies. Die erste Zugabe, die Schnellpolka "So ängstlich sind wir nicht", op. 413, zu der anschließend wiederum das gesamte Orchester auf dem Podium erschien, führte an den Beginn des Programms zurück, hat Johann Strauß doch ihre Motive der Operette "Eine Nacht in Venedig" entnommen.

"Donauwalzer" und "Radetzkymarsch" beschlossen traditionsgemäß das Neujahrskonzert, dem wie immer das Silvesterkonzert und die Voraufführung am 30. Dezember vorangingen, bei welcher die obere Hälfte des Goldenen Saales dem Österreichischen Bundesheer vorbehalten blieb, während aus dem Verkauf der Parkett- und Parterresitze auch diesmal wiederum gemäß einem entsprechenden Beschluß der Philharmonischen Hauptversammlung € 100.000,- an "Licht ins Dunkel" gespendet und von dieser Institution an die Katastrophenhilfe Österreichischer Frauen, den Soforthilfefond für in Not geratene Familien, den Verein "Rainbows" (der Kinder betreut, die eine nahe Bezugsperson verloren haben), an das "Neunerhaus" sowie an "Viva – integratives Kindertheater Wien" weitergegeben wurden.

-- Dr. Clemens Hellsberg

 

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