Anmelden

Anmelden

 

Mein Bereich

Nützen Sie zahlreiche Vorteile mit Ihrer Registrierung auf www.wienerphilharmoniker.at: Verschiedenste Newsletter, Teilnahme an den Kartenverlosungen und ein Überblick über alle Ihre Online-Einkäufe!

Jetzt registrieren

Fenster schließen

Menu Kalender

  2017  
  NOV  
M D M D F S S
M 1
D 2
F 3
S 4
S 5
M 6
D 7
M 8
D 9
F 10
M 13
D 14
M 15
D 16
F 17
D 21
M 22
D 23
M 27
D 30

Startseite > Orchester : Orchester

 

Das Philharmonische Tagebuch

Aktivitäten 2010

Mi, 13. Jänner 2010

Aktivitäten

 

Neujahrskonzert 2010 mit Georges Prêtre

Beim heurigen Neujahrskonzert stand zum zweiten Mal nach 2008 Georges Prêtre am Pult. Das Programm trug der Einladung an den französischen Doyen der Dirigentenszene Rechnung: Wien spielt in seiner Laufbahn eine herausragende Rolle, und deswegen wurde das Neujahrskonzert 2010 mit der Ouvertüre zur "Fledermaus", der "wienerischsten" aller Operetten, eröffnet. "Ich liebe Dich" – sämtliche (deutschsprachigen) Orchester, mit denen Prêtre arbeitet, wissen, daß er damit bevorzugt musikalische Phrasierungen erläutert. In Würdigung dieser Liebeserklärung an die Musik brachte der erste Teil des Konzerts Werke von Johann und Joseph Strauß, die der Liebe gewidmet sind: Joseph, der sensibelste Repräsentant der Dynastie, schrieb die Polka mazur "Frauenherz", op. 166, für seine Gattin Caroline; in Johann Strauß‘ populärer Polka française "Im Krapfenwaldl", op. 336, mischen sich Küsse unter Kuckucksruf und andere Naturstimmen, und die Schnellpolka "Stürmisch in Lieb‘ und Tanz", op. 393, in welcher der "Walzerkönig" Motive aus seiner Operette "Das Spitzentuch der Königin" verarbeitete, bildete den Übergang zu seinem Walzer "Wein, Weib und Gesang", op. 333. Die so oft beschworene "ewige Liebe" wurde zum Beschluß des ersten Teils durch die musikalische Realisierung eines anderen Menschheitstraums symbolisiert – im 1861 entstandenen "Perpetuum mobile", op. 257, relativiert die Kunst jene Grenzen, die Mensch und Natur gesetzt sind.

Der zweite Teil des Konzerts begann mit einer Hommage an Otto Nicolai, den Gründer der Wiener Philharmoniker, der am 9. Juni 1810 in Königsberg geboren wurde und am 11. Mai 1849 in Berlin starb. Unter seiner künstlerischen und organisatorischen Leitung veranstalteten die Mitglieder des k. k. Hofopernorchesters nächst dem Kärntnertor am 28. März 1842 das erste Philharmonische Konzert, und die Grundprinzipien des damals entwickelten Konzepts – Zugehörigkeit zum Orchester der Wiener Staatsoper (als Nachfolgeinstitution der Hofoper) sowie demokratische Selbstverwaltung und künstlerische, organisatorische und finanzielle Unabhängigkeit – sind bis heute aufrecht. Ihm zu Ehren veranstalten wir alljährlich innerhalb unserer Abonnementzyklen das "Nicolai-Konzert", und unser Dank wurde auch mit der Wiedergabe der Ouvertüre zur Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" im Neujahrskonzert 2010 zum Ausdruck gebracht.

Der Walzer "Wiener Bonbons", op. 307, leitete eine zweite Programmlinie ein. Johann Strauß widmete ihn Pauline Fürstin Metternich, der Gattin des damaligen österreichischen Botschafters in Frankreich, und verband darin Wiener Walzertradition mit Pariser Flair. Nach der "Champagner-Polka", op. 211, die Johann Strauß 1858 komponierte, betonte seine Polka mazur "Ein Herz und ein Sinn", op. 323, mittels ihres programmatischen Titels jenen Abschnitt des Konzerts, der den Einfluß französischer Musik auf das Wirken der Strauß-Dynastie bzw. deren Auseinandersetzung mit ihrem kongenialen Rivalen Jacques Offenbach zum Gegenstand hatte. Der Galopp "Der Carneval in Paris", op. 100, von Johann Strauß Vater war im Rahmen des Neujahrskonzerts ebenso eine Premiere wie Offenbachs Ouvertüre zur Oper "Die Rheinnixen", deren Uraufführung 1864 an der Wiener Hofoper stattfand. Das Werk konnte sich zwar nicht durchsetzen, enthält jedoch eine der berühmtesten Melodien der Musikgeschichte – die Feenmusik aus den "Rheinnixen" trug als "Barcarole" in "Hoffmanns Erzählungen" wesentlich zum Welterfolg von Offenbachs letzter Oper bei.

Trotz der Enttäuschung mit den "Rheinnixen" gelang Jacques Offenbach noch im selben Jahr ein Meisterwurf: Mit seiner am 17. Dezember 1864 uraufgeführten Operette "Die schöne Helena" feierte er einen Triumph, dessen Ausmaß auch daran gemessen werden kann, daß ihm Eduard, das jüngste Mitglied der Strauß-Dynastie, durch die (im Neujahrskonzert erstmals gespielte) "Helenen-Quadrille", op. 14, seine Reverenz erwies. Kurz zuvor hatte sich der "Walzerkönig" persönlich mit Offenbach gemessen: Die Journalisten- und Schriftstellervereinigung "Concordia" war an beide Komponisten mit der Bitte um eine Widmung für ihren Ball am 12. Jänner 1864 herangetreten. Auf Offenbach, der den Walzer "Abendblätter" schrieb, antwortete Johann Strauß Sohn mit den "Morgenblättern", op. 279, die in der Folge zu einem seiner beliebtesten Werke wurden. Das offizielle Programm endete mit der erstmaligen Aufführung einer Komposition von Hans Christian Lumbye durch die Wiener Philharmoniker. Der dänische Kapellmeister und Komponist (1810-1874), der mit seinem populärsten Werk, dem "Champagner-Galopp", vertreten war, wurde in jungen Jahren durch Josef Lanner und Johann Strauß Vater inspiriert und feierte mit seinem Orchester bei internationalen Konzertreisen derartige Erfolge, daß er der "Strauß des Nordens" genannt wurde. Die Schnellpolka "Auf der Jagd", op. 373, die Johann Strauß aus Motiven der Operette "Cagliostro in Wien" zusammenstellte, leitete den Zugabenteil des Neujahrskonzerts ein, dessen Abschluß traditionsgemäß "Donauwalzer" und "Radetzkymarsch" bildeten.

Wie bereits im Vorjahr war ROLEX der Exklusivsponsor, die weltweite TV-Vermarktung erfolgte wiederum durch die Luzerner Firma T.E.A.M. Marketing AG, wobei in Ergänzung zur obligaten Pressekonferenz am 28. Dezember 2009 erstmals ein "Media Day" für Kommentatoren diverser ausländischer TV- und Rundfunkanstalten durchgeführt wurde. Der ORF übertrug das Neujahrskonzert zum 52. Mal, die Sendung wurde von 74 TV-Stationen in 72 Ländern, darunter erstmals Weißrußland und Mongolei, übernommen, Traditionsgemäß gingen der Matinée am 1. Jänner das Silvesterkonzert bzw. die Voraufführung am 30. Dezember 2009 voran, bei welcher die obere Hälfte des Goldenen Saales dem Österreichischen Bundesheer vorbehalten bleibt, während aus dem Verkauf der Parkett- und Parterresitze auch diesmal wiederum auf Beschluß der Philharmonischen Hauptversammlung € 100.000,- an "Licht ins Dunkel" gespendet und von dort an die Katastrophenhilfe Österreichischer Frauen, an "Teddy Schwarzohr" (Verein zur Unterstützung von chronisch kranken Kindern), das Wiener Hilfswerk und die Neuropsychiatrische Abteilung für Kinder und Jugendliche des Neurologischen Zentrums Rosenhügel weitergegeben wurden.

-- Dr. Clemens Hellsberg

 

Tags

© 2017 Wiener Philharmoniker RD0003FF4B68AC