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Das Philharmonische Tagebuch

Aktivitäten 2012

Mi, 18. Jänner 2012

Aktivitäten

 

Neujahrskonzert 2012 mit Mariss Jansons

Nach 2006 leitete Mariss Jansons, der im April 1992 bei unserem Orchester debütierte, am 1. Jänner 2012 wiederum das Neujahrskonzert. Wie immer in den letzten Jahren wies auch das Programm dieses Konzerts gleich mehrere „Handlungen“ auf. Die Eröffnung bildete der (beim Neujahrskonzert erstmals aufgeführte) „Vaterländische Marsch“, eine Gemeinschaftskomposition von Johann und Joseph Strauß. Der musikalische Reiz dieses Werks liegt darin, daß die Brüder mit Zitaten aus dem „Radetzkymarsch“ ihrem Vater die Reverenz erwiesen, der Anlaß für die Entstehung des Marsches war jedoch ein überaus tragischer: Österreich-Ungarns Angriff auf die Streitkräfte von Piemont-Sardinien am 29. April 1859 löste einen blutigen Krieg aus, dem (wie so oft in der Menschheitsgeschichte!) ungezügelte „patriotische“ Begeisterung vorangegangen war, der sich auch die Strauß-Kapelle nicht verschloß.

Den ersten Teil des Neujahrskonzerts 2012 bestimmten ansonsten zwei friedliche Wettkämpfe – ein musikalischer und ein sportlicher. Für den ersten Ball im neuen Wiener Rathaus am 12. Februar 1890 schrieben sowohl Johann Strauß als auch Carl Michael Ziehrer einen Walzer. In seinen „Rathhaus-Ball-Tänzen“, op. 438, verband Strauß die offizielle und die „heimliche“ Hymne seiner Heimat, indem er Joseph Haydns Melodie zu „Gott erhalte“ dem „Donauwalzer“ gegenüberstellte, und betonte den symphonischen Charakter, welcher seine großen Konzertwalzer zunehmend prägte. Ziehrer komponierte hingegen mit „Wiener Bürger“, op. 419, einen hinreißenden Tanzwalzer – und wurde an diesem Abend vom Publikum begeisterter akklamiert als der „Walzerkönig“. Die Titel der beiden Schnellpolkas „Entweder – oder!“, op. 403 (wie „Rathhaus-Ball-Tänze“ erstmals auf dem Programm eines Neujahrskonzerts), und „Tritsch-Tratsch“, op. 214 (mit den Wiener Sängerknaben), die zwischen die beiden Walzer eingeschoben waren, symbolisierten die Spannung vor der Entscheidung des Publikums. Die zwei letzten Programmpunkte des ersten Teiles bezogen sich auf die Olympischen Spiele 2012 in London. Die „Albion-Polka“, op. 102, widmete Johann Strauß Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, dem Mann der englischen Königin Victoria. Sie wurde 1851 im Wiener Palais Coburg uraufgeführt, das Peter und Karla Pühringer, Ehrenmitglieder der Wiener Philharmoniker, vor zehn Jahren ebenso einfühlsam wie glanzvoll restaurierten). Mit seiner „Jokey-Polka“, op. 278, thematisierte Joseph Strauß den von ihm geliebten Pferdesport; bei ihrer Uraufführung im Rahmen eines Benefizkonzerts von Johann, Joseph und Eduard Strauß am 13. März 1870 im Goldenen Saal „besiegte“ Joseph, das sensibelste und introvertierteste Mitglied der Komponistendynastie, hinsichtlich des Publikumserfolges klar seine Brüder.

Den zweiten Teil eröffnete ein ehemaliger Primgeiger, Konzertmeister, Dirigent und Vorstand der Wiener Philharmoniker – Joseph Hellmesberger jun. schrieb mit „Danse diabolique“ ein Werk von virtuoser Brillanz, das bereits im Neujahrskonzert 2002 mit großem Erfolg aufgeführt worden war. Die beiden nächsten Programmpunkte wiesen auf das 200-Jahr-Jubiläum hin, welches die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Erbauerin und Eigentümerin des Musikvereinsgebäudes, 2012 feiert. Am 15. Jänner 1870,  neun Tage nach der Eröffnung des Hauses, lud die Gesellschaft zu einem Ball, für den Joseph Strauß die Polka française „Künstler-Gruss“, op. 274, und Johann Strauß den Walzer „Freuet euch des Lebens“, op. 340, komponierten. Beide Werke wurden als Hommage an das zweihundertjährige Wirken dieser für die Musikgeschichte so bedeutungsvollen Institution gespielt.

Eines der beliebtesten Werke von Johann Strauß Vater, der „Sperl-Galopp“, op. 42, bildete die Überleitung zu einem Bezug zur aktuellen Politik: Am 1. Jänner 2012 übernahm Dänemark den Vorsitz im Rat der Europäischen Union, und aus diesem Grund wurde (erstmals im Neujahrskonzert) der „Copenhagener Eisenbahn Dampf Galopp“ von Hans Christian Lumbye gespielt. Der dänische Komponist, der – inspiriert durch Joseph Lanner und Johann Strauß Vater – mit seinem Orchester derartige Erfolge feierte, daß man ihn als „Strauß des Nordens“ feierte, wurde somit nach 2010, als die Wiener Philharmoniker mit dem „Champagner-Galopp“ seines 200. Geburtstags gedachten, zum zweiten Mal in einem Neujahrskonzert aufgeführt.

Die nächsten sieben Werke nahmen einen losen Bezug zur Biographie von Mariss Jansons, der in Leningrad und Wien studierte und in St. Petersburg beheimatet ist. Während er bei Joseph Strauß‘ Polka „Feuerfest“, op. 269, nicht nur die (von Gerald Wirth einstudierten) Wiener Sängerknaben dirigierte, sondern sich auch als Schlagwerker am Amboß betätigte, erinnerte die „Carmen-Quadrille“, op. 134, von Eduard Strauß daran, daß er 2010 an der Wiener Staatsoper Georges Bizets „Carmen“ einstudieren sollte, aus gesundheitlichen Gründen damals aber absagen mußte. Die von beiden Brüdern geschriebene „Pizzicato-Polka“, Johanns „Persischer Marsch“, op. 289, und Josephs Polka mazur „Brennende Liebe“, op. 129, wiesen auf die Bedeutung hin, welche St. Petersburg für die Familie Strauß hatte: Zwischen 1856 und 1869 konzertierte Johann Strauß regelmäßig und mit märchenhaftem Erfolg in St. Petersburg. Wider Willen mußte ihn Joseph wiederholt begleiten, da der „Walzerkönig“ allein die Arbeit nicht bewältigen konnte – neben den Konzerten erwartete das Publikum auch eigens für St. Petersburg geschriebene Kompositionen, zu denen die oben genannten zählen. Die beiden zentralen Werke dieses „Mariss Jansons/St. Petersburg-Blocks“ stammten indes von jenem Komponisten, der sich wie kein anderer der großen Symphoniker mit dem Walzer auseinandersetzte: Peter Iljitsch Tschaikowsky stand mit „Panorama“, einer seiner schönsten melodischen Eingebungen, und Walzer aus dem Ballett „Dornröschen“ erstmals auf dem Programm des Neujahrskonzerts. Zwei Meisterwerke der beiden Strauß-Brüder, der Walzer „Delirien“, op. 212, von Joseph sowie Johanns Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“, op. 324, beendeten das offizielle Programm, dem als Zugaben neben der „Tik-Tak-Polka“, op. 365, von Johann Strauß traditionsgemäß „Donauwalzer“ und „Radetzkymarsch“ folgten.

Seit 2009 ist ROLEX der Exklusivsponsor des Konzerts, die weltweite TV-Vermarktung erfolgte wie in den letzten Jahren durch die Luzerner Firma T.E.A.M. Marketing AG. An der Pressekonferenz der Wiener Philharmoniker am 28. Dezember 2011 nahmen neben Mariss Jansons und Gerald Wirth ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz und Dr. Bettina Brinkmann als Vertreterin der European Broadcasting Union (EBU) teil. Der Pressekonferenz folgte ein „Media Day“ für Journalisten diverser ausländischer TV- und Rundfunkanstalten. Der ORF (Regie: Karina Fibich) übertrug das Neujahrskonzert zum 54. Mal, die Sendung wurde mit Hilfe der EBU von 73 Ländern übernommen und in Österreich von 1,15 Millionen Menschen gesehen (nationaler Marktanteil: 62 Prozent, Benotung: 4,8).

Wie immer gingen dem Ereignis das Silvesterkonzert bzw. die Voraufführung am 30. Dezember 2011 voran, bei welcher die obere Hälfte des Großen Saales dem Österreichischen Bundesheer vorbehalten bleibt, während aus dem Verkauf der Parkett- und Parterresitze auch diesmal wiederum von der Philharmonischen Hauptversammlung € 100.000,- gespendet wurden, die je zur Hälfte an Amnesty International und „Licht ins Dunkel“ (zugunsten von „die möwe“. Kinderschutzzentren gemeinnützige GmbH, „Rettet das Kind Österreich“ und der „Katastrophenhilfe Österreichischer Frauen“) überwiesen wurden.

- Dr. Clemens Hellsberg

 

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