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Das Philharmonische Tagebuch

Di, 14. Februar 2012

Interna

 

Zwei Todesfälle

Kurz nach Jahresbeginn hatten die Wiener Philharmoniker innerhalb weniger Stunden zwei Todesfälle zu beklagen: Am Abend des 11. Jänner 2012 starb Günter Voglmayr, am Morgen des nächsten Tages folgte ihm Professor Herbert Linke nach.

Günter Voglmayr
Foto: Nancy Horowitz

Günter Voglmayr wurde am 21. Februar 1968 in Ried/Innkreis geboren und erhielt im Alter von acht Jahren den ersten privaten Flötenunterricht. Ab 1978 setzte er die Ausbildung bei Helmut Trawöger an der Landesmusikschule Grieskirchen fort, vier Jahre später wurde er in die Klasse von Wolfgang Schulz an der damaligen Wiener Musikhochschule aufgenommen. 1987 spielte Günter Voglmayr (der 1981 bzw. 1985 Preisträger beim Österreichischen Bundeswettbewerb „Jugend musiziert" in Leoben und beim Eurovisionswettbewerb „International EBU-Competition for young musicians" in Kopenhagen gewesen war) als erster Flötist des Gustav Mahler Jugendorchesters unter der Leitung von Claudio Abbado und Franz Welser-Möst, und im selben Jahr erhielt er ein Engagement im Bühnenorchester der Österreichischen Bundestheater. Nach einem erfolgreichen Probespiel wurde er mit 1. September 1993 Flötist des Staatsopernorchesters, am 1. Dezember 1996 erfolgte seine Aufnahme in den Verein Wiener Philharmoniker, nachdem er 1994 sein – durch Kurse bei Aurèle Nicolet ergänztes – Studium mit der Diplomprüfung abgeschlossen hatte.

Während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn war Günter Voglmayr intensiv als Solist und Kammermusiker tätig. Er trat oft mit dem Wiener und Zürcher Kammerorchester, der Wiener Kammerphilharmonie, der Stockholm Sinfonietta, dem Haydn-Trio Wien, dem Wiener Ring Ensemble oder dem Trio Weinmeister auf und arbeitete mit den Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Alexander Lonquich und Stefan Mendl sowie mit der Sopranistin Christiane Oelze, was auch durch zahlreiche CD-, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen im In- und Ausland (Europa, Amerika, Japan, Korea) dokumentiert ist. 1997 gründete er das „Klangburg Festival Rappottenstein" und blieb bis 2004 dessen Künstlerischer Leiter.

Im Jahre 2003 wurde bei ihm eine schwere Erkrankung diagnostiziert, gegen die er sich mit Entschlossenheit und beeindruckendem Optimismus sowie mit vorbildlicher Unterstützung durch seine Familie erfolgreich wehrte. Nach seiner Genesung setzte er die künstlerische Tätigkeit auf höchstem Niveau fort, ehe 2010 die Krankheit erneut ausbrach, der er – wiederum nach langem, tapferen Kampf und schließlich in zutiefst bewegender Ergebung – im 44. Lebensjahr erlag.

*

Prof. Herbert Linke
Foto: Terry Linke

Am 1. September 2011 war Professor Herbert Linke nach 48jähriger Orchestertätigkeit in den dauernden Ruhestand getreten, am 12. Jänner 2012, vierzehn Stunden nach Günter Voglmayr, starb er an den Folgen einer schweren Krankheit, die Ende August des vergangenen Jahres diagnostiziert worden war.

Geboren am 31. März 1945 in Preßbaum, wurde Herbert Linke durch seinen Großvater dazu inspiriert, ein Instrument zu lernen und erhielt im Alter von sieben Jahren den ersten Violinunterricht. Von 1959 bis 1964 studierte er in der Klasse des legendären Franz Samohyl (1912-1999), unseres früheren Primgeigers und Lehrers von etwa dreißig nachmaligen Philharmonikern. 1963 erhielt er einen Vertrag im Juniorenorchester der Wiener Staatsoper, 1965 wechselte er für wenige Monate als erster Geiger an die Volksoper, ehe er nach einem weiteren erfolgreichen Probespiel per 1. Jänner 1966 Mitglied der Primgruppe der Staatsoper wurde. Nach der (mehrere Jahre lebhaft debattierten) Erhöhung der Zahl der aktiven Mitglieder der Wiener Philharmoniker von 120 auf 140 war für ihn gemeinsam mit siebzehn weiteren Angehörigen des Staatsopernorchesters der Weg für die Aufnahme in den Verein Wiener Philharmoniker frei, die per 1. März 1973 erfolgte.

Herbert Linke, vor seiner Pensionierung das letzte noch in der Direktionsära Herbert von Karajans engagierte aktive Mitglied, zeichnete sich während seiner 48jährigen Tätigkeit als Orchestermusiker durch besondere Hingabe an die Musik aus: „Non dimenticherò mai il suo grande entusiasmo e la sua gioia di far musica che per egli ha dato alla Filarmonica di Vienna e a tutto il mondo musicale" („Ich werde nie seinen großen Enthusiasmus und seine Musizierfreude vergessen, die er den Wiener Philharmonikern und der ganzen Musikwelt schenkte"), schrieb Riccardo Muti. Darüber hinaus trug Herbert Linke durch sein ausgeprägtes Sensorium für zwischenmenschliche und seelische Probleme, durch seine Offenheit gegenüber jedem jungen Mitglied wesentlich und unvergeßlich zu gelebter Humanität innerhalb unserer Vereinigung bei.

Die Trauer der Wiener Philharmoniker um Günter Voglmayr und Professor Herbert Linke ist untrennbar mit dem Dank für all das verbunden, was diese beiden Mitglieder unserer Gemeinschaft schenkten. Beiden war ein tragisches Schicksal beschieden – Günter Voglmayr wurde im Alter von 43 Jahren abberufen, Herbert Linke wenige Monate nach Pensionsantritt. Aber der Begriff „Tragik" greift zu kurz, berücksichtigt er doch ausschließlich unsere vergängliche Perspektive; tatsächlich haben beide auf ihre ganz persönliche Weise Licht in ihre Umgebung, in unsere Vereinigung gebracht. Und in diesem Sinne bedeutet für sie das Schlußwort aus dem „Deutschen Requiem" von Johannes Brahms tröstliche Gewißheit: „Der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach."

- Dr. Clemens Hellsberg

 

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