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Das Philharmonische Tagebuch

Do, 20. September 2012

Nachrichten

 

Abschiedsbrief von Ian Bousfield

Sehr geehrte Abonnentinnen und Abonnenten, liebe Mitglieder der Wiener Philharmoniker!

Ian Bousfield

Während ich diese Zeilen schreibe, befinde ich mich bei den Vorbereitungen für den Umzug in die Schweiz. Es sind schwierige Zeiten für mich, und es fällt mir schwer, meine Gefühle in Worten auszudrücken.

Meine Geschichte mit den Wiener Philharmonikern begann, als ich sie zum ersten Mal live in ihrem anderen Wirkungsbereich hörte, nämlich im März 1986 in der Wiener Staatsoper. Ich war damals auf Tournee mit dem Halle Orchester, und diese Vorstellung von „Elektra" war eines der schockierend-schönsten musikalischen Erlebnisse, die ich je hatte – es wurde so souverän musiziert, so engagiert, mit solcher Spannung … Und ich erinnere mich noch an das wunderschöne Spiel von Josef Pomberger, unserem ehemaligen ersten Trompeter: Er hat nicht mitgespielt, er hat vielmehr mitgesungen!

Ich beschloß damals, daß für mich, falls ich je ein Engagement außerhalb von Großbritannien annehmen würde, nur dieses Orchester in Frage käme. Danach war ich zwölf Jahre Mitglied des London Symphony Orchestra, und 1999 gewann ich das Probespiel für das Orchester der Wiener Staatsoper. Die Entscheidung, nach Wien zu kommen, habe ich keinen einzigen Moment bereut. Ich habe hier so viel über Musik gelernt, nicht nur von den großen Dirigenten, sondern auch von meinen wunderbaren Kollegen und Kolleginnen.

Die musikalischen Höhepunkte meiner zwölf Jahre in Wien sind für mich, neben vielen anderen unvergeßlichen Erlebnissen in Konzert und Oper, die Aufführungen von Mahlers Zweiter und Dritter Symphonie mit Pierre Boulez, „Otello" bei den Salzburger Festspielen mit Riccardo Muti und Wagner und Bruckner mit Christian Thielemann. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch bei Ihnen, verehrtes Publikum, herzlich bedanken: Im September 2008 habe ich das Posaunenkonzert von Nino Rota im „Philharmonischen" mit Riccardo Muti gespielt. Meine Nervosität war so groß wie nie zuvor. Es war der Musikverein, es waren die Wiener Philharmoniker, es war Riccardo Muti. Ich dachte mir: „Wer bin ich, um so etwas machen zu dürfen?" Aber sobald ich ihre lächelnden, einladenden Gesichter sah, erkannte ich die wahre Persönlichkeit unseres Abonnementpublikums: Sie wollten einfach etwas Schönes hören. Mit dieser Erkenntnis konnte ich entspannt musizieren, und es ist mir ein Anliegen, Ihnen an dieser Stelle dafür zu danken.

„Sind das nicht nur schöne Worte", werden Sie vielleicht denken und fragen: „Warum verläßt er dann diese Gemeinschaft?" Nun, ich erhielt mein erstes Orchesterengagement als Achtzehnjähriger. Jetzt, dreißig Jahre später, habe ich die Gelegenheit, mich persönlich und musikalisch weiterzuentwickeln. Ich werde mich meinen Studenten an der Hochschule der Künste in Bern ebenso widmen wie meiner solistischen Laufbahn, und ich werde auch versuchen, „to cross over to the enemy", wie dies jemand einmal scherzhaft formulierte, genauer ausgedrückt: Ich studiere gerade Dirigieren!

Es ist eine Ehre gewesen, Mitglied der Wiener Philharmoniker zu sein. Natürlich gab es neben den großen musikalischen Erlebnissen auch anstrengende Momente. Wiener Philharmoniker zu sein bedeutet nicht, daß man angestellt ist – man gehört vielmehr einer riesigen Familie an, und wie wir alle wissen, gibt es in jeder Familie schwierige Situationen. Jedes einzelne Mitglied will nur das Beste für die Gemeinschaft, und es ist nicht immer möglich, daß alle der gleichen Meinung sind, was oft zu interessanten Diskussionen führt. Aber für mich persönlich kann ich sagen, daß ich vom ersten Tag an mit offenen Armen aufgenommen und unterstützt wurde. Ich habe sofort erfahren, daß es meinen Kollegen und Kolleginnen mehr als egal war (und ist), woher man kommt (ausgenommen die ständigen Witze über die englische Küche): Einzige Kriterien sind die künstlerische Qualität und die Frage, ob man sich zur philharmonischen Tradition bekennt. Ich halte dies für entscheidend: Es muß möglich sein, daß ein Orchester seine Tradition wahren kann und darf, und ich bin sehr dankbar und respektiere mit voller Überzeugung, daß die Wiener Philharmoniker bezüglich Klang und Musizierweise eben „die Wiener Philharmoniker" bleiben wollen, wobei selbstverständlich beides einer permanenten Weiterentwicklung unterliegt.

Ich habe schon während der letzten Konzerte, die ich in den Reihen der Wiener Philharmoniker spielte, Tränen in den Augen gehabt, und ich bin gewissermaßen innerlich noch nicht bereit, mich von Wien zu verabschieden; da ich jedoch glaube, daß das Leben ein beständiger Lernprozeß ist, weiß ich auch, daß ich diesen Schritt machen muß. Aber Wien, das Publikum der Abonnementkonzerte und vor allem meine Kollegen und Kolleginnen werden immer in meinem Herzen bleiben!

 

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