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Das Philharmonische Tagebuch

Aktivitäten 2014

Mo, 03. November 2014

Prof. Reinhard Öhlberger

Aktivitäten

 

Konzerttournee mit Gustavo Dudamel

Im September 2014 unternahmen die Wiener Philharmoniker eine Schweiz-, Deutschland-, China- und Japantournee mit Gustavo Dudamel, mit zwei vorangehenden Terminen in Grafenegg und Wien. Begonnen hat dieses Großprojekt bereits in Salzburg, wo das Konzert am 23. / 24. August bereits Teile des zu erarbeitenden Reiseprogrammes darbot. Insgesamt gelangten folgende Werke zur Aufführung, hier nach der ungefähren Chronologie ihrer Entstehung gereiht:

1) Wolfgang Amadeus Mozart, Sinfonia Concertante für Violine und Viola
in Es-Dur KV 364 mit den Solisten Rainer Küchl und Heinrich Koll
2) Ludwig van Beethoven, Konzert für Violine und Orchester
in D-Dur op. 61 mit dem Solisten Sergey Khachatryan
3) Modest Mussorgsky, „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“
(Orchesterfassung N. Rimski-Korsakow)
4) Nikolai Rimski-Korsakow, „Russische Ostern“, Ouvertüre für Orchester op. 36
5) Nikolai Rimski-Korsakow, „Scheherazade“, Symphonische Suite op. 35;
Violinsolo: Volkhard Steude
6) Antonín Dvorˇák, Symphonie Nr. 8 in G-Dur op. 88
7) Richard Strauss, „Tod und Verklärung“, op. 24
8) Richard Strauss, „Also sprach Zarathustra“, op. 30
9) Jean Sibelius, „Der Schwan von Tuonela“, op. 22 Nr. 3
mit Alexander Öhlberger (Englischhorn)
10) Jean Sibelius, Symphonie Nr. 2 in D-Dur op. 43
11) René Staar, „Time Recycling“, op. 22n
Als Zugaben wurden gespielt:
a) Johann Strauß Vater, „Beliebte Annenpolka“ op. 137
b) Johann Strauß, „Unter Donner und Blitz“ op. 324
c) Josef Strauß, „Ohne Sorgen“, Polka schnell op. 271
d) Johann Strauß, Egyptischer Marsch op. 335
e) Johann Strauß, „Annen-Polka“, op. 117

Die Arbeit mit Gustavo Dudamel erwies sich über diese lange Strecke und in diesem Ausmaß als ein menschlich wie künstlerisch besonders befriedigendes Erlebnis. Zur ersten Probe hatte der für seine offenen – aber trotzdem herzlich gemeinten – Worte bekannte Maestro noch strahlend gemeint „You will hate me after all these rehearsals!“ Es darf vermerkt werden, daß es dazu aberlängst nicht gekommen ist.

Die verschiedenen Konzertzusammenstellungen der oben genannten Stücke im Verein mit den Aufführungsorten nochmals im Ganzen zu vermelden würde den Text aufblähen, wohl auch die Augen verwirrend ermüden und vielleicht sinnlos Papier verprassen. Erlauben Sie also ein kleines Zahlenspiel mit der anfangs ausgeführten Durchnummerierung des Programms.

Sonntag, 7. September, Wolkenturm, Grafenegg: 7 + 11 + 6
Mittwoch, 10. September, Theater an der Wien: Eröffnungskonzert der
Saison 2014/15, 4 + 3 + 5
Freitag, 12. September: Luzern, Kultur- und Kongresszentrum („KKL“):
9 + 1 + 10; a + b
Samstag, 13. September: Luzern, KKL: 2 + 6; c
Hier gab der Solist zwei Zugaben nach dem Violinkonzert: Eugène Ysaye, „Ballade“ (dritte der sechs Solosonaten); sowie Johann Seb. Bach, Sarabande aus Partita d-moll.
Sonntag, 14. September, Luzern, KKL: 4, + 3 + 5; d
Montag, 15. September, Köln, Philharmonie: 3 + 8 + 6; c
Donnerstag, 18. September, Shanghai, Symphony Hall: 9 + 1 + 10; a + d
Freitag, 19. September, Osaka Festival Hall: 9 + 1 + 10; a + d
Samstag, 20. September, Fukuoka, Acros Fukuoka / Symphony Hall: 4 + 3 + 5; c
Sonntag, 21. September, Koriyama, Koriyama City Cultural Center: Jugendkonzert:
1
Sonntag, 21. September, Koriyama, Koriyama City Cultural Center: 1 + 9 + 6; c
Montag, 22. September, Kawasaki, Muza Kawasaki Symphony Hall: 8 + 6; e + c
Mittwoch, 24. September, Tokyo, Suntory Hall: Öffentliche Probe, 11 + 6 + 1
Mittwoch, 24. September, Tokyo, Suntory Hall: 1 + 11 + 6; c
Donnnerstag, 25. September mittags, Tokyo, Suntory Hall: Jugendkonzert, 8; b
Donnerstag, 25. September abends, Tokyo, Suntory Hall: 8 + 10; b
Freitag, 26. September, Tokyo, Suntory Hall (nicht öffentliches Konzert für
den Sponsor Daiwa House): 4 + 3+ 5; d
Samstag, 27. September, Tokyo, Suntory Hall: 4 + 3 +5; d

Die Salzburger Auftritte nicht mehr eingerechnet gab es innerhalb dieses Arbeitsblockes 15 Konzerte, zwei Jugendkonzerte und eine öffentliche Probe (mit allen dazugehörigen Arbeits- und Sitzproben, die letzteren jeweils am Ort), wobei man die zehn Tage vom 18. bis zum 27. September als „ heiße Phase“ zu bezeichnen hat, wurden in diesen doch 9 Konzerte, die zwei Jugendkonzerte und die öffentliche Probe eingebracht. In die Mobilitätsgeschichte des Orchesters eingehen werden der 20. und der 21. September (Osaka – Fukuoka – Tokio – Koriyama – Tokio), als innerhalb von 39 Stunden ins gesamt 12 Transportvorgänge (8 Bustransfers, 3 Bahnfahrten, 1 Flug) anfielen – und freilich noch zwei Konzerte und ein Jugendkonzert zu ab solvieren waren. Hier sind abermals nach vielen Beweisen seiner Dispositionskunst und Umsicht unser Reiseleiter Thilo Fechner und seine japanischen Helfer von Tonichi Travel Service nicht genug zu loben, ohne deren voraus sehende Planung und exakte Durchführung ein solch straffer Ablauf (in anderer Diktion: logistischer Aberwitz) niemals auch nur anzudenken gewesen wäre.

Zu bewundern ist allerdings auch die Konzilianz der japanischen Eisenbahnverwaltung, die auf große Reisegruppen, wie die unsere es ist, in besonderer Weise Rücksicht nimmt. In Japan betritt man jeglichen Bahnsteig – ob Chikatetsu (U-Bahn) oder Densha (Eisenbahn) – nur einzeln nach Durchschreiten einer Sperrvorrichtung, in die das Ticket einzugeben und weiter vorn gleich wieder zu entnehmen ist. Nicht so für die Wiener Philharmoniker, denen man nach Vorzeigen des Sammeltickets einfach neben den Sperren eine Gittertür öffnet, durch die sich dann unsere wandelnde Ansammlung von „Gaijin“ (der japanische Ausdruck für „Ausländer“) gemütlich hindurchwälzt.

Der Grund für unser Auftreten in Shanghai lag in der Eröffnung des Konzertlokals „Shanghai Symphony Hall“; im Rahmen dieser Feierlichkeiten waren nun auch die Wiener Philharmoniker – dringlich – gebeten worden, teilzunehmen, und dieser Ehre wollten wir uns nicht entziehen. Der terminliche Engpaß, bereits am nächsten Tag in Osaka schon vertraglich festgehalten wieder auf dem Podium zu stehen, wurde für diesen repräsentativen Zweck in Kauf genommen. Die Konsequenzen bezüglich Instrumententransport und Dresscode waren allerdings weitreichende. Nur zum Zweck der konzertmäßigen Adjustierung dieses einen Konzertes wurden Kisten nach Shanghai mit unseren Stresemännern vorausgeschickt (für die Damenbekleidung wird sich der Begriff „Stresefrau“ noch durchsetzen müssen) und danach wieder nach Europa zurückgebracht. Von den tiefen Streichinstrumenten und den Pauken wurde ebenso ein zweiter Satz mittransportiert; Geiger, Bratscher sowie die Bläser hatten ihre Instrumente ab Köln als Handgepäck in die Flugzeugkabine zu nehmen. Die Cargoabwicklung zwischen China und Japan ist anscheinend eine deutlich behäbigere als der Personenverkehr.

Das Konzert in Koriyama war Anlaß zu diversen Diskussionen im Plenum gewesen. Die Stadt liegt nämlich nicht mehr als 50 Kilometer vom Unglücksreaktor Fukushima entfernt. Einerseits hat unser japanischer Sponsor Suntory einen solchen Wunsch im Rahmen seines Förderprogrammes („Music Aid Fund“) für die Region Tohoku ausgesprochen. Von der Plenumsversammlung des Orchesters war in der Folge gefordert worden, zur Absicherung kurz vor dem Konzert noch Messungen von einer Fachkraft unseres Vertrauens durchführen zu lassen. Diese hat sich in der Gestalt von Frau Dr. Katharina Horrak von der Seibersdorf Labor GmbH am 19. September, zwei Tage vor unserem Auftreten, in Koriyama mit Strahlenschutz-Messungen eingefunden und dem Orchester einen profunden Ergebnisbericht präsentiert. Er stellte für die aktuelle Situation eine absolute Unbedenklichkeit unseres Aufenthaltes in Koriyama fest. Ein anderslautendes Ergebnis nach eventuell auftretenden Störfällen hätte nämlich durchaus zu einer kurzfristigen Absage des Ausfluges führen können. Die dort gespielte Zugabe in Gestalt der Polka schnell „Ohne Sorgen“ möge vom Titel her hoffentlich weitreichende Wirkungen haben, wie wir alle uns wünschen.

Am konzertfreien Tag, dem 23. September, fand um 14.00 Uhr im Großen Saal der Suntory Hall vor gut 1.500 Personen ein kammermusikalisch umrahmter Vortrag des Philharmonischen Altvorstandes Prof. Dr. Clemens Hellsberg statt. Die Themen waren anfangs ein Abriß über die „Konzertmeister des Orchesters in Vergangenheit und Gegenwart“; wobei die 14 wichtigsten Persönlichkeiten in Kurzbiographien vorgestellt wurden. Im zweiten Teil ging es um „Richard Strauss und die Wiener Philharmoniker“, folgend dem von Hellsberg verfaßten Beitrag im Programmheft zum 10. Abonnementkonzert der Saison 2013/14, SS. 395-412. Die musikalische Umrahmung wurde einleitend von unseren drei Soloflötisten Dieter Flury, Walter Auer und Karl-Heinz Schütz (letzterer Mitglied der Wiener Staatsoper) bestritten, mit einem Flötentrio von Leonardo de Lorenzo, „I Tre Virtuosi“. Zum Abschluß spielte das Küchl-Quartett (Rainer Küchl, Daniel Froschauer, Heinrich Koll und Robert Nagy) ein Jugendwerk von Richard Strauss, das Streichquartett op. 2 in A-Dur aus 1880, im Gegensatz zu denvom Programmblatt an gekündigten „Exzerpten“ in voller Länge. Die Übersetzung des in deutscher Sprache gehaltenen Vortrages besorgte Frau Akiko Matsuda; über die im Saal vorhandene Simultananlage und mit ausgegebenen Kopfhörern konnte er von jedem Besucher in japanischer Sprache ohne übersetzungsbedingte Pausen kontinuierlich verfolgt werden. Und die weniger ins Gewicht fallenden an wesenden Gaijin (Fremden) konnten ihn ebenfalls ohne Unterbrechung für die Übersetzung wahrnehmen. – Abends hielt unser Schlagwerker Thomas Lechner in der Blue Rose Hall eine Meisterklasse, mit Betonung auf Behandlung der kleinen Trommel, des Beckens und der Marimba. Auf die letztere hat Lechner einen Schwerpunkt seines virtuosen Könnens gelegt und schon mehrfach Konzerte für Solo-Marimba und Ensemble gegeben.

Die japanische Gastfreundschaft erwies sich wieder mit einem Willkommensempfang des Vereins der Freunde der Wiener Philharmoniker in Tokyo, sowie einem ebensolchen, gegeben von der Suntory Hall. Nach dem letzten Konzert am 27. September war das Orchester zur gleichfalls schon Tradition gewordenen Abschiedsparty geladen. Dieser festliche Ausklang wurdemusikalisch unterstützt von Karl-Heinz Schütz (Orchester der Wiener Staatsoper) und Daniel Ottensamer mit einer virtuosen Komposition von Olivier Truan: „The Chase“, sowie vom japanischen Shamisen-Künstler Shinichi Kinoshita, der auf seinem (Lauten-)Instrument zwischen indigener Musik auch den dann sofort rhythmisch beklatschten Radetzkymarsch eingebaut hatte. Frau Akiko Matsuda, unsere Dolmetscherin, Auskunftsperson und schlechthin Mädchen für alles, hat sich wie schon über Jahrzehnte in dankenswerter Weise für alles Nötige eingesetzt, überall zugegriffen und uns natürlich auch in ihrer Grundfunktion gedient, nämlich übersetzt.

Nach dem offiziellen Ende der Tournee begaben sich insgesamt zehn Orchesterkollegen (Daniel Froschauer, Marian Lesko, Mario Karwan, Raphael Flieder, Herbert Mayr, Dieter Flury, Alexander Öhlberger, Hans Peter Schuh, Dietmar Küblböck, Anton Mittermayr) für zwei Tage nach Nord-Honshu, wo das seit dem November 2012 inthronisierte und schon oben erwähnte Förderprogramm von Suntory in Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern („Music Aid Fund“) in seine neunte Runde ging. In den Städten Sendai, Kashima und Minamisoma kam es nach kurzer Vorbereitung zu Konzerten zusammen mit der dort ansässigen Jugendformation „Sendai Junior Orchestra“. Dieses Programm (wobei die Tutoren auch mitspielten) enthielt drei Stücke aus der der Ballettmusik „Schwanensee“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky; von Antonio Vivaldi den „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ (Violinsolo Daniel Froschauer); von Johann Sebastian Bach aus der Orchestersuite Nr. 2 in h-Moll die Polonaise, das Menuett und die Badinerie; sodann von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Flötenquartett KV 285 den 2. und 3. Satz (mit Dieter Flury an der Flöte, sowie dem Präsidenten der Suntory Hall, Tsuyoshi Tsutsumi, am Violoncello); weiters eine Passacaglia für Violine und Violoncello nach Georg Friedrich Händel von Johan Halvorsen; und sodann das Trompetenkonzert von Joseph Haydn mit Hans Peter Schuh als Solisten. Montag, der 29. September stand im Zeichen von Minamisoma, der Stadt am Rand der Sperrzone um den Atomreaktor von Fukushima. In der Früh fand eine Trauerzeremonie bei einer Gedenkstätte etwa eine halbe Stunde vor Minamisoma unter großem Interesse der japanischen Medien statt. Nach Blumenniederlegung und einer Trauerminute spielte Hans Peter Schuh, von sieben Kollegen begleitet, ein kurzes Stück „Es wär’ so schön gewesen“. Nach einem Besuch beim Bürgermeister von Minamisoma – einer für die Belange seiner Stadt als besonders einsatzbereit oder gar streitbar bekannten Persönlichkeit – wurden dann zwei Konzerte gegeben.

Unsere Präsenz in Japan und überhaupt in Ostasien hat sich insgesamt wieder als eine fruchtbare und immer noch ausbaufähige erwiesen. Wir konnten erfahren, daß die Musik – hier vorrangig in Gestalt der Wiener Klassik, aber auch in späteren Stadien – für die Menschen dort eine Lebenshilfe darstellt, die sich nicht in Zahlen ausdrücken läßt, und genau so auch nicht in künftigen zu erwartenden pekuniären Erfolgen für die Überbringer. Sie läßt sich nur erkennen an den beglückten Gesichtsausdrücken von Menschen, die aus einem Konzert kommen und damit für eine Weile Kraft getankt haben, ihr Leben wieder auszuhalten.

 

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