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Das Philharmonische Tagebuch

Fr, 30. Jänner 2015

Prof. Reinhard Öhlberger

Aktivitäten

 

75. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

Der 1. Januar 2015 ist in der Geschichte der Wiener Philharmoniker mit dem 75. Neujahrskonzert verbunden. Maestro und Ehrenmitglied des Orchesters Zubin Mehta hat zum fünften Mal nach den Konzerten 1990, 1995, 1998 und 2007 sein pulsierendes Wienerherz unter Beweis gestellt. Das Programm stand unter den Auspizien der vier Sträuße Johann Strauß Vater und Sohn, Josef und Eduard sowie einleitend Franz von Suppé, von dem die Ouvertüre zu dem Lustspiel „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“ erklang. Wie es schon in den letzten Jahren der Brauch war, in den Programmen des Neujahrskonzertes durch gezielte „Handlungsstränge“ einen Einblick in die Mannigfaltigkeit des Strauß’schen Schaffens zu geben, so auch wieder diesmal. Im ersten Teil war es gleich mit dem Walzer „Märchen aus dem Orient“ op. 444 von Johann Strauß Sohn ein Fingerzeig auf den mit unserem Orchester so verbundenen Maestro, in Bombay 1936 geboren, der seine Studienzeit ja in Wien verlebt hat und seit 1961 an unserem Pult steht. Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass mit Zubin Mehta vier Musikergenerationen des Orchesters zusammengearbeitet haben. Schüler und Enkelschüler von ehemaligen Studienkollegen Mehtas stellen einen Teil unseres Orchesters und sind damit ebenfalls in einen schönen Bezug zu unserem derzeit „dienstältesten“ Dirigenten zu setzen.

„Wiener Leben“, eine Polka française von Josef Strauß, op. 218; die Polka schnell „Wo man lacht und lebt“ von Eduard Strauß op. 108, darauf die „Dorfschwalben aus Österreich“, ein Walzer von Josef Strauß op. 164 und letztendlich die Polka schnell „Vom Donaustrande“ von Johann Strauß Sohn op. 356 bildeten den Fortgang und Abschluß des ersten Teiles.

Dem 200-jährigen Jubiläum des im November 1815 gegründeten „k.k. polytechnischen Instituts“, dem Vorläufer der heutigen Technischen Universität Wien, war ein ganzer Block von vier Musikstücken zu Beginn der zweiten Konzerthälfte gewidmet. Josef Strauß hatte zu den Studenten dieses Instituts gezählt, und seine spätere Hinwendung zur Musik war fürs erste mehr ein Sich-Beugen der Familienraison gewesen als eine vorausplanende Absicht. Auch die Brüder Johann und Eduard waren mit ihrem Interesse an technischen Neuerungen insoweit tätig, als sie für den alljährlichen Ball des Polytechnischen Instituts etliche Werke verfaßten, die mit entsprechenden Titeln versehen waren. Der Menschheitstraum des „Perpetuum mobile“, verpackt in den genialen „Musikalischen Scherz“ von Johann Strauß Sohn op. 257, der Walzer „Accelerationen“ op. 234 und die „Electro-Magnetische Polka“ op. 110 von ebendemselben sowie die Polka schnell „Mit Dampf“ von Eduard Strauß op. 70 waren somit eine programmatische Vorgabe für dieses Jubiläum. Die Fortsetzung geschah mit einem Ausflug in den Norden, mit einem erstmalig im Neujahrskonzert aufgeführten Walzer „An der Elbe“ von Johann Strauß Sohn op. 477; es war der letzte Walzer, den der Komponist noch persönlich bei der Uraufführung dirigert hatte. Noch weiter nördlich verschlug es dann das Publikum mit dem „Champagner-Galopp“ op. 14 des dänischen Komponisten Hans Christian Lumbye, Militär- und Stadtkapellmeister in Kopenhagen, der in seiner Begeisterung für das Strauß’sche Œuvre ein eigenes Ensemble „à la Strauß“ auftreten ließ und aus dieser Leidenschaft sogar noch den Spitznamen „dänischer Strauß“ einheimste. Die Verwendung von Glockenspiel und Xylophon als Melodieinstrumente im Mittelteil der Komposition sowie eines „Scoppe di un turacciolo“ (also einem „Propfenknall[imitator]“) im Schlagwerk machten die kurze Pièce akustisch durchaus eindrücklich, wo außerdem am Ende des Stückes der Maître d’Hotel Harald Hitner mit einem Tablett voller Champagnergläser aufzutreten und diese Maestro Mehta und den pult-ersten Streichern zu kredenzen hatte. Der sehr versierte Angestellte des Hotels Imperial gestand später freilich, dieser sein Auftritt wären die längsten zwanzig Meter seines Lebens gewesen …

Ein weiteres Jubiläum sollte in der Folge anklingen, nämlich jenes der altehrwürdigen Alma Mater Rudolphina Vindobonensis mit ihrem Gründungsdatum vor 650 Jahren; unter diesen Aspekt war nämlich die „Studenten-Polka“ op. 263 von Johann Strauß Sohn zu stellen, wie auch der „Freiheits-Marsch“ op. 226 von Johann Strauß Vater, übrigens beides Stücke, die erstmalig im Neujahrskonzert aufgeführt wurden. Die „Annen-Polka“ op. 117 von Johann Strauß Sohn kann man als Widmung an Zubin Mehtas Frau Nancy (also: „Anna“) verstehen und den Walzer „Wein, Weib und Gesang“ op. 333 von Johann Strauß Sohn als breit angelegten Hymnus auf das Leben an sich, was freilich und schlußendlich für das offizielle Programm „Mit Chic“ geschehen sollte, der Schnellpolka von Eduard Strauß op. 221. Auf diesen freilich noch nicht endenwollenden Neujahrs„rausch“ hatte eine erste Zugabe in Gestalt der „Explosions-Polka“ von Johann Strauß Sohn op. 43 zu folgen, die sich am Schluß in einem mächtigen Krach plus Konfetti-Regen über Orchester und Teile des Publikums entlud. Die zwei weiteren und damit letzten Zugaben im Detail zu erahnen überläßt der Schreiber dieser Zeilen der Phantasie des Lesers.

Wie auch in all den Jahren vorher hatte das Neujahrskonzert mit einer Voraufführung am 30 Dezember um 11:00 Uhr und dem so genannten Silvesterkonzert am Vorabend um 19:30 seine zwei zusätzlichen Voraustermine. Für das Österreichischen Bundesheer sind traditionsgemäß bei der Voraufführung die Balkon- und die Galerieregion sowie die Stehplätze vorgesehen. Vom Verkaufserlös aus der unteren Saalhälfte der Voraufführung wurden Euro 100.000 als Spende der Organisation „Licht ins Dunkel“ weitergegeben.

Zu den prosaischen Angaben über die medialen Auswirkungen dieses Konzertes zählt, dass es sich bei der Übertragung im ORF um die 57. gehandelt hat; geschätzte 50 Millionen Zuseher in 92 Ländern haben – entweder live oder zeitversetzt – dem Ereignis beigewohnt. Die Gebietsabdeckung ist in Europa eine so gut wie totale zu nennen, außer den Zwergstaaten wie etwa Liechtenstein, San Marino und dem Vatikanstaat war nur Weissrussland kein Teilnehmer. Übersee war mit 49 Staaten vertreten, darunter neben den großen Gesellschaften von China, Indien, Indonesien, Japan und Taiwan auch mehrere insulare TV-Anbieter wie etwa Fiji Television (diese mit Distribution bis Kiribati, Nauru und Papua Neu Guinea). Die Radioübertragung wurde von 38 Stationen übernommen, wieder mit Europa als Hauptverbreitungsgebiet (davon Deutschland allein mit acht Sendern), aber auch mit Kanada, Südkorea, den Vereinigten Staaten sowie China. Es waren 14 Kameras in High Definition im Einsatz, die TV-Regie führte Michael Bayer. Der Blumenschmuck wurde von den Wiener Stadtgärtnern besorgt und hat das akustische Grunderlebnis opulent um einen auf jeden Fall optischen, wenn nicht vielleicht sogar olfaktorischen Akzent bereichert (diesen letzteren freilich nur für das im Saal anwesende Publikum). Festzuhalten ist jedenfalls, dass sich dieser Blütenzauber im Silvesterkonzert – weil eben erst angebracht – am frischesten präsentiert, während er nächstentags — nun ja, schon ein ganzes Jahr älter geworden ist.

Die Firma ROLEX tritt weiterhin als Exklusivsponsor dieses Konzertes auf, und die weltweite TV-Vermarktung ist der Luzerner Firma Highlight Events anvertraut.

 

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