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Das Philharmonische Tagebuch

Mo, 16. März 2015

Prof. Reinhard Öhlberger

Aktivitäten

 

Konzertreise mit Daniele Gatti

Mit Daniele Gatti hatte das Orchester bereits am Beginn der Saison 2012/2013 einen Brahms-Zyklus absolviert, und es kam zu einer weiteren Auflage dieser thematisch bezogenen Zusammenarbeit im jüngstvergangenen Februar. Am Tag nach der zweiten Soiree (10. Februar, dem nachgeholten Termin des von Maestro Georges Prêtre krankheitshalber abgesagten Konzertes vom 19. Oktober), wurde das gleiche Programm (Symphonie Nr. 3 F-Dur op. 90 und Symphonie Nr. 1 c-Moll, op. 68) im Wiener Konzerthaus wiederholt. Nach einer Probenphase für die Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73 und die Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 96, die noch in Wien stattfand, ging es dann am Sonntag, den 15. Februar nach Athen, wo in zwei Konzerten das Symphonien-Gesamtwerk in der Paarung 3. / 1. und 2. / 4. erklang. Die Konzerte fanden wie schon gewohnt im Megaron tis Mousikis, der modernen Konzerthalle am Fuß des Lykabettos statt; als Zugaben wurden am 15. Februar das Scherzo aus der Bühnenmusik zu „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und am 16. Februar das Vorspiel zum dritten Akt der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner gespielt.

Es hätte nun von der Planung her nach Bahrain am Persischen Golf gehen sollen, das dort vorgesehene Konzert war freilich wegen der Staatstrauer um das Ableben des Saudischen Königs Abdullah abgesagt werden. So wurde nach einem Wiener Zwischenaufenthalt die urspüngliche Reiseroute nach Hamburg (22. Februar, mit den Symphonien 1. / 4. in der Laeiszhalle) und nach München (23. Februar, 3./ 1.; 24. Februar, 2. / 4. in der Philharmonie am Gasteig) wieder aufgenommen. Die Zugaben in München korrespondierten mit den in Athen gespielten. Der Sprung über den Atlantik erfolgte dann tags darauf am 25. Februar, um in den USA in New York unsere 26. „Wiener-Philharmoniker-Woche“ in der Carnegie-Hall zu bestreiten. Nachdem es sich traditionellerweise dabei um jeweils drei Konzerte handelt, hatte man zur bewährten Doppelstrategie 3. / 1. (27. Februar, mit Zugabe Mendelsssohn) und 2. / 4. (28. Februar, mit Zugabe Wagner) noch das Deutsche Requiem op. 45 als krönenden Schlußpunkt (1. März, nachmittags) darzubieten. Hier war zusammen mit Diana Damrau (Sopran) und Christian Gerhaher (Bariton) noch der ortsansässige Westminster Choir im Einsatz. Die Abreise unittelbar nach dem Konzert kann man ebenfalls schon als traditionell bezeichnen, mit all den sich daraus ergebenden logistischen Konsequenzen: im Hotel Parker Meridien, der Konzerthalle fast unmittelbar benachbart, wurden die aufzugebenden großen Gepäckstücke (nach Flügen geordnet, das Orchester reiste in zwei Gruppen) in der Empfangshalle angesammelt und dann in die entsprechenden Busse gehievt. Das Handgepäck hatte man in die Carnegie Hall mitzunehmen, sich schnell in den Frack oder das entsprechende Konzertkleid zu werfen. In diesem Zusammenhang wird das Bibelwort aus dem Petrusbrief „denn alles Fleisch, es ist wie Gras“, das Brahms hier so unvergleichlich vertont hat, zur stark kontrastierenden Aussage gegenüber dem eilig reisenden Musikantentroß. Der Abflug – wie immer planmäßig ganz eng an das Konzertende und den Bustransport nach Newark und JFK anschließend – gestaltete sich aufgrund des starken Schneefalles dann doch sehr verzögert.

Es mag seltsam anmuten, hier noch ein paar Worte über das Internationale Artenschutzabkommen (Washingtoner Artenschutzabkommen, “Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“ mit der gängigen Abkürzung CITES) anzuschließen. Dieses in seinen Grundzügen sicher sehr wohl überdachte und weltweit verankerte Vertragswerk hat auf Grenzüberschreitungen von Orchestermusikern oder überhaupt Instrumentalisten eine vermutlich nicht ursächlich bedachte Auswirkung. Nachfolgend Ausschnitte aus einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung (1. 12. 2014, Feuilleton von Angela Schader):

„Die Verstimmung muss hörbar gewesen sein im Zollbüro des Flughafens Kloten, obwohl es um einen Gegenstand ging, der eigentlich als Inbegriff des Wohlklangs gilt. Zankapfel war eine der vom Erbauer besonders reich ausgestatteten Stradivari-Violinen, die für eine Ausstellung nach Cremona ausgeliehen worden war und nun zu ihren Besitzern zurückkehren sollte. Die Intarsien am Rand seien aus Elfenbein, hiess es beim Zoll, darum müsse die Geige einbehalten werden. Den anderslautenden Befunden der Fachliteratur zu dem bestens dokumentierten Instrument mochten die Beamten keinen Glauben schenken; der herbeigerufene Experte vom Bundesveterinäramt wiederum konnte nur konstatieren, bei den winzigen und fest im Instrument verbauten Einlagen sei eine schlüssige Materialanalyse nicht möglich.“

„Das 1975 in Kraft gesetzte Abkommen zielt spezifisch auf den Schutz von Tier- und Pflanzenarten, für die der internationale Handel eine besondere Gefährdung darstellt. Es ist mittlerweile von 169 Staaten ratifiziert und ordnet Tausende gefährdeter oder bereits vom Aussterben bedrohter Spezies in drei nach Dringlichkeit gestaffelte Schutzstufen, die mit entsprechenden Handels- und Einfuhrrestriktionen belegt sind. Elfenbein von Afrikanischen Elefanten, die nach wie vor in erschreckendem Mass von Wilderern dezimiert werden, rangiert in der höchsten Schutzstufe; aber auch andere im Instrumentenbau verwendete Materialien – etwa Rio-Palisander, der in hochklassigen Gitarren und Blasinstrumenten verbaut wird, das für qualitätvolle Bögen verwendete Fernambukholz, madagassisches Ebenholz oder Schildpatt, das als Dekor für Zupfinstrumente, zur Fertigung von Plektra oder für Frösche an Geigenbogen zum Einsatz kommt – sind dem Reglement unterstellt.

Dass manchen Instrumentenbauern damit ein beträchtliches Handicap auferlegt wird, ist klar.“

In der Fortsetzung des Berichts kommt die dramatische Auswirkung auf ganz konkrete Reiseumstände von Orchestern auf Tournee zur Sprache.

„So wäre im Mai ein Gastspiel der Münchner Philharmoniker in der Carnegie Hall beinah geplatzt, weil dem Orchester nicht bekannt war, dass Instrumente, in denen der höchsten Schutzstufe unterstellte Materialien verbaut sind, seit neuestem einen von Cites ausgestellten «Pass» brauchen, um über die Grenze zu kommen. Nur mit knapper Not und einem Grosseinsatz seitens der deutschen Botschaft und der Carnegie Hall konnte das Konzert gerettet werden. Das Budapest Festival Orchestra wiederum hatte zwar die erforderlichen Bescheinigungen mitgebracht, die aber von den amerikanischen Behörden teilweise nicht akzeptiert wurden; so zog der Zoll sieben wertvolle Bögen ein, die erst bei der Rückreise und gegen eine Busse wieder ausgelöst werden konnten.“

In vorsorglichem Gehorsam wurde von unserem Instrumentenbeauftragten, Orchestermitglied Holger Groh zusammen mit dem Geigenbauer Wilfried Ramsaier-Gorbach eine Durchsicht der die Reise betreffenden Instrumente erstellt und die für den Grenzübertritt notwendigen Teile ausgetauscht. Diese Maßnahme hat sich zumindest insoweit gelohnt, als dem Schreiber dieser Zeilen in letzter Meldung keine Katastrophenberichte von der Einreise in die bzw. Ausreise aus den U.S.A. zugekommen sind, wegen der Zollbehandlung bzw. der Kontrolle des „U.S. Fish and Wildlife Inspector“  – der in einem solchen Fall allen Ernstes für Musikinstrumente zuständig ist ...

 

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