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Das Philharmonische Tagebuch

Nachrichten 2016

Mo, 05. September 2016

Mag. Hanne Muthspiel-Payer

Nachrichten

 

Einblicke in die Operncamps bei den Salzburger Festspielen 2016

Aus Anlass des zehnjährigen Operncamp-Jubiläums mit den Salzburger Festspielen veranstalteten die Wiener Philharmoniker im vergangenen Sommer erstmalig vier Operncamps. Fast 150 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Rumänien, den Niederlanden, der Schweiz, Großbritannien, Russland, den USA nahmen daran teil. Seit Beginn im Jahre 2006 trägt das Ambiente von Schloss Arenberg wesentlich zum Gelingen bei, die Salzburg Stiftung der American Austrian Foundation ist ein Partner der ersten Stunde.

„Ich komme wieder!“ droht der kleinste von dreiundvierzig Teilnehmern des Figaro-Camps in der Rolle des Grafen Almaviva der um einen Kopf größeren Susanna. Soeben hat er die Bühne des „republic“ vergeblich nach seinem Konkurrenten durchsucht. Sie wird von einem riesengroßen Familienbett mit unzähligen Kissen, Pölstern und Bettdecken dominiert, das Haupt dieser Bettstatt haben die Kinder im Stil der Bauernmalerei des 18. Jahrhunderts mit Blumenmustern und Szenen aus dem Familienleben selbst bemalt. Wir zählen das dreizehnte Jahr nach Figaros Hochzeit. Sänger Markus Jandrisits in der Rolle als Figaro, sitzt als Vater auf dem Bett, umringt von seiner Kinderschar und erzählt ihnen auf ihr Drängen, wie sich Vater und Mutter kennengelernt haben. Kaum ist er draußen, beginnen die Kinder diese Geschichten weiter zu entwickeln und zu spielen.

Sie spielen nicht Erwachsene, sondern sie spielen als Kinder die Geschichten der Eltern und die Rollen der anderen Opernfiguren. Szenen der Rahmenhandlung und Situationen aus der Oper wechseln sich ab, die Kinder kommentieren, tauschen und verwechseln die Rollen, steigen immer wieder in das Spiel ein und ebenso wieder aus. Sie sind allerdings nicht nur Schauspieler und Sänger, sondern musizieren als Instrumentalisten im Kinderorchester bearbeitete Nummern aus Mozarts Oper und werden dabei von einem Ensemble der Wiener Philharmoniker musikalisch unterstützt.

Im Gegensatz dazu lässt sich die harmonisch-komplexe Musik von Richard Strauss für das Danae-Camp nicht ohne weiteres auf vereinfachte, spielbare Fassungen für Kinder reduzieren. So wird aus musikalischen Motiven und Themen aus dem Originalwerk eine Musik neu komponiert, die der Klangsprache von Strauss nahekommt. Die Teilnehmer aller Operncamps erhalten die Noten einige Wochen im Voraus, sodass sie vorbereitet in die Orchesterproben in Schloss Arenberg einsteigen können. Der mythologische Hintergrund der Strauss-Oper veranlasst uns, die Inszenierung in ein Museum zu verlegen, in das die Kinder um Mitternacht heimlich eindringen. Auf der Bühne der Universitätsaula entdecken sie auf den hölzernen Sockeln die antiken, versteinerten Statuen von Pollux, Midas, Jupiter und Danae, erwecken diese zum Leben und erzählen auch hier die Handlung der Oper in Multifunktion als Schauspieler, Sänger und Musiker. Die Bühnenprospekte im Stile griechischer Vasenmalerei haben sie mit professioneller Unterstützung der Bühnenmaler der Festspiele selbst bemalt und dabei viel über Kulturgeschichte erfahren.

Die Szenerie für das Don Giovanni-Camp ist in der Jugendkultur angesiedelt, der Kult und Rummel um Pop- und Rockstars wird zum zentralen Thema: Die weiblichen Fans verfallen ihrem Idol Don Giovanni, suchen kreischend seine Nähe, huldigen ihm in Talkshows und posten ihn auf Facebook. Mit Rap, Sologesang, Chorgesang, Tanzszenen, Fechtkämpfen und Gruppenchoreografien treiben die Jugendlichen die Handlung voran, wobei die dramaturgische Konzeption ihnen Spielräume offen lässt,  die eine Fassung des Don Giovanni ermöglicht, mit der sich alle identifizieren können. Ein Teil der Musik von Mozart ist mit popmusikähnlichem Touch versehen, sodass die Instrumentalisten unter den Teilnehmern nicht nur Erfahrungen im klassischen Musizieren sammeln, sondern nach einer Woche des Probens auch wie eine Big Band klingen. Musikalische Highlights aus der Oper trägt ein philharmonisches Celloquartett mit virtuosem Spiel bei.

Das Faust-Campkonzentriert sich auf vier Workshop-Tage, die wie auch die vorangegangenen Camps den Besuch der Generalprobe inkludieren. Hier sind die Teilnehmer schon sechzehn Jahre alt oder mehr, die Kurssprache ist wieder deutsch und englisch. Manche unter ihnen streben ein Musikstudium an, andere sind ambitionierte Musikerinnen und Musiker in ihrer Freizeit, die meisten haben sich schon viel Vorwissen über Faust angeeignet und entpuppen als fachkritisches Publikum. Die Nähe zum Werk entsteht durch das eigene Musizieren und Singen der vielen musikalischen Highlights in dieser Oper. Das Libretto durchforsten die Teilnehmer auf markante Schlüsselsätze, die in szenischen Standbildern wie in einer Fotostory festgehalten werden.

Die Erfahrungen, welche die internationale Teilnehmerschar bei den Operncamps jeden Sommer sammeln kann, gehen weit über den musikalisch-kreativen Bereich hinaus und prägen oft nachhaltig. Ähnliche Ziele und gemeinsame Erlebnisse stiften Freundschaften und schaffen Beziehungen, die manchmal über Grenzen hinweg für Jahre bestehen bleiben.

 

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