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Das Philharmonische Tagebuch

Do, 29. September 2016

Prof. Reinhard Öhlberger

Interna

 

Nachruf Meinhart Niedermayr

Am 19. September 2016 verstarb unser langjähriges Mitglied Professor Meinhart Niedermayr. Sein musikalischer Werdegang war ihm gewissermaßen bereits in die Wiege gelegt worden. Josef Niedermayr (*1900 - 1962), sein Vater, ist ebenfalls Orchestermitglied der Wiener Philharmoniker gewesen, Soloflötist bis zu seinem Tod im aktiven Dienst. Es war nur natürlich, dass Meinhart, geboren in Wien am 20 August 1941, ab seinem Eintritt in die Volkssschule vom Vater ersten Flöten- und Klavierunterricht erhielt. 1956 wurde er in die Klasse unseres langjährigen ersten Flötisten Hans Reznicek (*1910 - 1979) an der damaligen Wiener Musikakademie aufgenommen. Als Substitut bereits im Alter von 16 Jahren in der Staatsoper eingesetzt, legte er mit 20 Jahren die Reifeprüfung im Konzertfach Flöte mit Auszeichnung ab. Noch im selben Jahr – 1961 – konnte Meinhart Niedermayr beim Probespiel reüssieren und trat seinen Dienst an der Wiener Staatsoper zum 1. September 1961 an. Zusammen mit dem Vater in diesem Rahmen zu musizieren war ihm freilich nur mehr wenige Monate vergönnt. Im November 1962 wurde er in den Verein Wiener Philharmoniker aufgenommen, wo er im weiteren Verlauf zum ersten Flötisten aufstieg. – In dieser Position war er in zahllosen großen Orchesterpartien für Flöte zu hören und er trat auch noch knapp vor Ende seiner aktiven Laufbahn 2002 als Solist in unseren Abonnementkzyklen auf. Mit diesem Programm (Johann Seb. Bach, Suite Nr. 2 in h-Moll, BWV 1067 unter Lorin Maazel) war auch noch eine Tournee nach Aalborg, Paris, London und Cardiff verbunden gewesen. Meinhart Niedermayr wurde mit dem Berufstitel Professor und mit mehreren sichtbaren Auszeichnungen geehrt, er gehörte auch der Wiener Hofmusikkapelle ab 1970 an. Seine Unterrichtstätigkeit begann 1989 am damaligen Konservatorium der Stadt Wien; daneben trat er ebenfalls solistisch bzw. als Kammermusiker auf und war für die Gründung des Badener Meisterkurses für Flöte verantwortlich. Seine Tätigkeit für die philharmonische Gemeinschaft erstreckte sich über sechs Jahre als Vizevorstand (1984 bis 1990). In den Ruhestand ging Professor Niedermayr zum 1. September 2003.

Meinhart Niedermayr war für seine geradlinige Art und seine Naturverbundenheit bekannt; unter anderem als passionierter Jagdbegeisterter und als großer Handwerker auf seinem fürsorglich restaurierten Bauernhof in Embach im Pinzgau. Der Liebe zur Musik hat Niedermayr dabei auch hier Rechnung getragen, in Embach hat er immer wieder die Ortskapelle verstärkt. Eine auffallende Erscheinung war er im Straßenverkehr als Fahrer eines UAZ, eines russischen Geländewagens der Firma Ulianovsky Avtomobilny Zavod. Wollte man darüber hinaus eine Art von Charakterisierung vornehmen, wie er mit seinem Instrument umging, Ton und Spielweise beschreiben, so drängt sich der Vergleich zur gerade apostrophierten Geradlinigkeit und Naturverbundenheit auf. Wenn es eine Eigenschaft der Tonqualität gäbe, die man als „kugelrund“ bezeichnen könnte, dann träfe das hier wohl zu – und diese Definition hätte dabei sowohl für den Vater wie für den Sohn zu gelten. Ein Beispiel für seinen knappen und dabei treffenden (Wort-)Stil ist noch im Gedächtnis geblieben: Zur Wahl für die Funktion des Vizevorstands vor dem Orchesterplenum angetreten war sein Statement eines der kürzesten, das man je in diesem Forum vor einem Urnengang gehört hat; es waren gerade fünf Worte: „Aus Begeisterung für den Verein“. – Die ungewöhnliche Größe seiner Hände, die man einem Flötisten nicht unbedingt als instrumentengerecht zumutet, könnte man sehr wohl als „Pranken“ bezeichnen, und mit gleichsam „prankenhafter“ Eleganz hat Meinhart Niedermayr seine solistische Spielweise gemeistert. In der Erinnerung bleiben wird das Flötenspiel Niedermayrs jedem, der bewußt auf diesen Ton gehört hat – dergleichen prägt sich ein. Die Wiener Philharmoniker werden dem Menschen und Künstler ein dauerhaftes Angedenken bewahren.

 

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