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Das Philharmonische Tagebuch

Mo, 09. Jänner 2017

Prof. Reinhard Öhlberger

Aktivitäten

 

Neujahrskonzert 2017 mit Gustavo Dudamel

Das diesjährige Neujahrskonzert hatten die Wiener Philharmoniker Gustavo Dudamel anvertraut. Dass er mit knapp 36 Jahren der bis dato jüngste Dirigent dieser Konzertserie ist, wurde in den Medien breitenwirksam verkündet und soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit ihm ein künstlerisches Schwergewicht das Podium des Goldenen Saales betritt. In der Geschichte des Neujahrskonzertes sind es freilich in der Regel Maestri gesetzteren Alters, die hier gebeten wurden. Die jeweiligen „Jahresringe“ von vormaligen Debütanten in Bezug auf das Neujahrskonzert sollen deshalb hier einmal kurz Revue passieren: Clemens Krauss (46), Josef Krips (44), Willi Boskovsky (46), Lorin Maazel (50); Herbert von Karajan (79), Claudio Abbado (55), Carlos Kleiber (59), Zubin Mehta (54), Riccardo Muti (52), Nikolaus Harnoncourt (72), Seiji Ozawa (67), Mariss Jansons (63), Georges Prêtre (84), Daniel Barenboim (67) sowie Franz Welser-Möst (51). Ob man die Aussagekraft einer solchen Alterspyramide zur Karriere eines dirigentischen Musikerlebens in Relation setzen kann, solche Hypothesen seien dem Leser überlassen. Die beiden Senioren der Auflistung – Karajan und Prêtre – sind jedenfalls solchen Gedankenspielen völlig überlegen.

Es wurden insgesamt zwanzig Stücke gespielt, davon sieben erstmalig in einem Neujahrskonzert (diese sind in der Liste mit einem Asterisken * markiert); hier ist kurz der Ablauf genannt.

*Franz Lehár, „Nechledil-Marsch“ aus der Operette „Wiener Frauen“
*Émile Waldteufel, „Les Patineurs“ („Die Schlittschuhläufer“), Walzer, op. 183
Johann Strauß Sohn, „’s gibt nur a Kaiserstadt, ’s gibt nur a Wien“, Polka, op. 291
Josef Strauß, „Winterlust“, Polka schnell, op. 121
Johann Strauß Sohn, „Mephistos Höllenrufe“, Walzer, op. 101
Johann Strauß Sohn, „So ängstlich sind wir nicht!“, Polka schnell, op. 413

*Franz von Suppé, Ouvertüre zur Operette „Pique Dame“
Carl Michael Ziehrer, „Hereinspaziert!“, Walzer, op. 518
Otto Nicolai, „Mondaufgang“ aus der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“
Mitwirkend: Chor, Wiener Singverein, künstlerische Leitung Johannes Prinz
*Johann Strauß Sohn, Pepita-Polka. Polka, op. 138
*Johann Strauß Sohn, Rotunde-Quadrille, op. 360
*Johann Strauß Sohn, „Die Extravaganten“, Walzer, op. 205
Johann Strauß Vater, „Indianer-Galopp“, op. 111
Josef Strauß, „Die Nasswalderin“, Polka mazur, op. 267 (Arrangement Wolfgang Dörner); 
mit Vogelzwitscherpfeife am Ende des Werkes, vom Dirigenten selbst bedient
*Johann Strauß Sohn, „Auf zum Tanze!“, Polka schnell , op. 436; dabei eine Live-Balletteinlage in den Gängen des Parterres
Johann Strauß Sohn, „Tausend und eine Nacht“, Walzer nach Motiven aus der Operette „Indigo“, op. 346
Johann Strauß Sohn, „Tik-Tak“, Polka schnell , op. 365

Als Zugaben wurden von Eduard Strauß, „Mit Vergnügen“, Polka schnell, op. 238, und im Anschluß zwei weitere nicht völlig unbekannte Werke aus der Feder der Strauß-Dynastie vorgetragen.

Der in diesem Fall fast schon wesentliche Anteil von neu ins Repertoire des Konzertes aufgenommenen Werken weist darauf hin, dass das Gesamt-Œuvre der Strauß-Dynastie noch immer ungehobene Schätze birgt, die es zu präsentieren gilt und die neben den bekannten und beliebten Standardstücken ein Herzensanliegen des Orchesters darstellen. Ausflüge zu den Komponisten des Umfeldes ergeben eine oft sehr sinnreiche und wertvolle Unterstützung der Programmgestaltung und haben schon in vergangenen Jahreswechseln den Kontext zur Bedeutung des Werkes der Sträuße essentiell bereichert.

Wie in den Vorjahren hält der Hauptsponsor der Wiener Philharmoniker, die Firma ROLEX, die exklusive Sponsorenschaft des Neujahrskonzertes, und die Vermarktung auf dem TV-Sektor ist wieder der Luzerner Firma Highlight-Events anvertraut. Mit dem Neujahrskonzert 2017 wird nun ein (halbrundes) Jubiläum des Orchesters eingeläutet, das in diesem Jahr seinen 175. Geburtstag begeht.

Der ORF hat mit seiner TV-Übertragung das 59. Jahr erreicht, dabei wurden 17 Kameras eingesetzt. Die Bildregie war von Michael Beyer gestaltet, die Moderation hielt wie auch schon in den letzten Jahren Barbara Rett. Eine Übertragung in exakt 93 Länder und der angenommene Stand von etwa 50 Millionen Zusehern läßt die Qualifikation als die meistverbreitete Konzertausstrahlung des Mediums überhaupt als berechtigt erscheinen. In Europa kann sich nach wie vor eine fast absolute Gebietsabdeckung mit 48 Stationen nennen lassen (hier auch mit Andorra, Liechtenstein und San Marino gezählt, zusammen mit Grenzregionen wie Armenien, Aserbaidschan und Georgien), von Weißrussland einmal wie in den Vorjahren abgesehen. Amerika ist in der Auflistung mit 19, Asien und Ozeanien mit 20 und Afrika immerhin mit sechs Positionen vertreten. – Leider hat sich im Reigen der weltweit beteiligten Nationen das Heimatland des Dirigenten – Venezuela – nicht eingefunden.

Dank zu sagen ist den Wiener Stadtgärten mit ihrem Direktor Rainer Weisgram sowie den österreichischen Gärtnern und Floristen, die sich wie in den letzten zwei Jahren um den Blumenschmuck des Goldenen Saales verdient gemacht haben. Heuer wurde der Herkunft des Maestro gemäß ein Schwerpunkt auf südliche Gewächse (auch mit der Präsentation von Pflanzen und Früchten) gelegt, was in dieser Form noch nicht vorgekommen ist. Dabei waren alle Blumen (etwa 30.000) entsprechend den Angaben der Wiener Stadtgärten mit dem Blumengütesiegel „Fair Flowers Fair Plants“ (FFP) zertifiziert.

Eine weitere Neuerung, optisch vielleicht nicht sofort ins Gesicht fallend, war die diesjährige Bekleidung der Musikerinnen und Musiker. Nach langen und tiefgreifenden Diskussionen im Orchesterplenum wurde ein Auftrag an die internationale Modedesignerin Vivienne Westwood erteilt, eine für sowohl untertags als auch (leicht variiert) abends tragbare einheitliche Konzertkleidung zu entwerfen. Diese Adjustierung, von Vivienne Westwood zusammen mit Andreas Kronthaler entworfen, wurde beim Neujahrskonzert erstmalig präsentiert; und es stellt eine besonders nette Geste dar, dass der debütierende Maestro sich ebenfalls in dieser Kleiderordnung zeigte.

Wie schon immer sind die zwei vorhergehenden Termine des Neujahrskonzertes zu nennen, die so genannte „Voraufführung“ am 30. 12. vormittags und das „Silvester-Konzert“ am Vorabend um 19:30 Uhr. Die Voraufführung, vormals auch mit dem Titel „Bundesheerkonzert“, hat noch immer einen der österreichischen Landesverteidigung gewidmeten Zweck. Daneben werden wesentliche Teile des Saales mit ihrem Verkaufserlös einem karitativen Zweck zugeführt. Die gespendeten Euro 100.000 wurden diesem Jahr zu 25% an das Philharmonikerhaus für Asylsuchende in St. Aegyd und 75% der ORF-Aktion „Licht ins Dunkel“ zugeführt. Die dortige Weitergabe an verschiedene Projekte wurde festgelegt: nämlich an den „Licht ins Dunkel-Soforthilfefonds“, sodann an den externen onkologischen Pflegedienst der Kinder-Krebs-Hilfe für Wien, Niederösterreich und das Burgenland; weiters an DEBRA Austria (Schmetterlingskinder) sowie an die Dorfgemeinschaft Breitenfurt.

 

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