Log in

Log in

 

My Account

Make use of the advantages of registering at www.wienerphilharmoniker.at: subscribe to various newsletters, participate in the drawing for New Year's Concert tickets and view your online purchases.

Register now

Close window

Menu Calendar

  2017  
  NOV  
M D M D F S S
W 1
T 2
F 3
S 4
S 5
M 6
T 7
W 8
T 9
F 10
M 13
T 14
W 15
T 16
F 17
T 21
W 22
T 23
M 27
T 30

Home > Orchestra : Orchestra

 

Das Philharmonische Tagebuch

Mon, 16. September 2013

Dr. Clemens Hellsberg

Interna

 

Im Sommer 2013 verstarben vier langjährige Mitglieder der Wiener Philharmoniker

Im heurigen Sommer mußten die Wiener Philharmoniker innerhalb weniger Wochen von vier langjährigen Mitgliedern für immer Abschied nehmen.

Camillo Öhlberger Camillo Öhlberger | + Am 12. Juni 2013 verstarb in Wien Professor Camillo Öhlberger im Alter von 92 Jahren. Er wurde am 28. Mai 1921 in Sankt Pölten als Sohn von Karl Öhlberger sen., Schildermaler bei der Bahn und begeisterter Musikliebhaber, geboren. Bereits vor der Matura am Humanistischen Gymnasium nahm er an der Wiener Musikakademie bei seinem Bruder Karl Öhlberger (1912-2001), der von 1936 bis 1974 (erster) Fagottist unseres Orchesters war, Fagottunterricht. Die musikalische Ausbildung wurde ebenso wie sein Germanistikstudium durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs jäh unterbrochen, nach der Entlassung aus der amerikanischen Gefangenschaft jedoch umgehend und mit großem Erfolg wieder aufgenommen, erhielt er doch bereits per 1. Dezember 1945 ein Engagement im Orchester der Wiener Volksoper. Zehn Jahre später wechselte er nach einem neuerlichen erfolgreichen Probespiel in die Staatsoper, wurde mit 1. September 1957 Mitglied der Wiener Philharmoniker und trat am 1. November 1977 in den dauernden Ruhestand.

Von 1966 bis 1992 unterrichtete Camillo Öhlberger, der neben dem Professorentitel und zahlreichen Auszeichnungen auf Bundes- und Landesebene auch den Jakob-Prandtauer-Preis seiner Heimatstadt Sankt Pölten erhielt, an der Wiener Musikakademie bzw. Musikhochschule, wo neben vier späteren Fagottisten der Volksoper (Wolfgang Stadler, Peter Marschat, Max Feyertag, Michael Zottl) auch Wolfgang Koblitz sein Schüler war. Neben der Musik übte zeitlebens die Sprache auf ihn eine besondere Faszination aus, wobei sich seine heiter-besinnlichen Verse zumeist auf das Wiener Musikleben und sein Orchester konzentrierten: Zwischen 1972 und 1996 erschienen bei der Österreichischen Verlagsanstalt bzw. bei Überreuter „Wien, Vienna, Weanarisch“, „Hinter der Oper“, „Philharmonische Capriolen“, „Neue Philharmonische Capriolen“ und „Philharmonische Eskapaden“. Winifred „Winnie“ Jakob, Hans Novak, Ernest Bartolo und Camillos Sohn Reinhard Öhlberger, wie sein Bruder Alexander seit Jahrzehnten Mitglied der Wiener Philharmoniker, steuerten die Illustrationen zu diesen Gedichtbänden bei, mit denen er unsere Vereinigung in ebenso origineller wie einfühlsamer Weise porträtierte.


Wolfgang Tomböck, sen. Wolfgang Tomböck, sen. | + Nur zwei Tage nach Camillo Öhlberger verstarb in Wien mit Professor Wolfgang Tomböck sen. eine „Ikone“ des Wiener Horns. Geboren am 16. Mai 1932 in Mödling, wurde er 1948 in die Klasse Gottfried von Freibergs an der Wiener Musikakademie aufgenommen, an der er 1953 die Reifeprüfung mit Vorzug ablegte. In diesen fünf Jahren bewährte er sich ferner nicht nur in seinem ersten Engagement am Stadttheater in Baden, das er als Siebzehnjähriger antrat, sondern brillierte auch bei nationalen wie internationalen Wettbewerben: 1951 Medaille beim Wettbewerb in Genf sowie Erster Preis beim Wettbewerb der Wiener Mozartgemeinde; 1953 Erster Preis in München, wobei er bei der öffentlichen Schlußveranstaltung mit dem ersten Hornkonzert von Richard Strauss einen triumphalen Erfolg feierte. Im selben Jahr erhielt er ein Engagement als erster Hornist im Orchester der Wiener Volksoper, 1955 wechselte er nach einem erfolgreichen Probespiel in das Staatsopernorchester, und per 1. Mai 1962 erfolgte seine Aufnahme in den Verein Wiener Philharmoniker, dem er bis zu seiner Pensionierung am 1. Jänner 1993 als aktives Mitglied angehörte.

Jene Saison 1955/56, in der Wolfgang Tomböck (wie Camillo Öhlberger) seinen Dienst in der Staatsoper antrat, war die wichtigste in der Nachkriegsgeschichte des Hauses: Am 5. November 1955 wurde es nach elfeinhalbjähriger Pause wiedereröffnet. Inmitten der Aufbaugeneration trug Tomböck durch seine Leistungen am Wiener Horn, das so wesentlichen Anteil an der Unverwechselbarkeit unseres Klanges hat, maßgeblich dazu bei, das Profil der Wiener Philharmoniker zu wahren: Seine musikalisch wie technisch brillanten Soli, etwa in Richard Strauss‘ „Till Eulenspiegel“ oder in der Oper „Katja Kabanova“ von Leoš Janáček, sind unvergessen und anhand von Tondokumenten nachzuerleben. Neben seiner künstlerischen Arbeit nimmt Wolfgang Tomböck sen. auch in einer anderen Beziehung einen markanten Platz in der Geschichte unseres Orchesters ein: Sein Sohn Wolfgang jun. ist seit 1977 (erster) Hornist unseres Orchesters, sein Enkel Johannes, zu dessen geigerischer Ausbildung er in ebenso akribischer wie liebevoller Weise beitrug, gehört seit 2004 unserer Primgeigergruppe an, womit (nach den „Dynastien“ Hellmesberger, Schmidl und Bartolomey) zum vierten Mal eine Familie mit drei Generationen in unserer Vereinigung vertreten ist.


Alfred Planyavsky Alfred Planyavsky | + Am 18. Juni 2013 starb in Wien mit Professor Alfred Planyavsky ein weiteres überaus profiliertes Mitglied unseres Orchesters. Der am 22. Jänner 1924 in Wien geborene Musiker begann seine Laufbahn bei den Wiener Sängerknaben, denen er von 1933 bis 1938 angehörte. Sein weiterer Weg wurde zunächst durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bestimmt: Wie Camillo Öhlberger geriet auch Planyavsky in amerikanische Kriegsgefangenschaft und konnte erst nach der Entlassung sein Musikstudium fortsetzen. 1952 schloß er die Fächer Gesang und Kontrabaß mit der Staatsprüfung ab, 1954 wurde er von den Wiener Symphonikern engagiert, im darauffolgenden Jahr trat er der Kontrabaßgruppe des Staatsopernorchesters bei. Mit 1. September 1957 erfolgte seine Aufnahme in den Verein Wiener Philharmoniker, wo er von 1958 bis 1964 die Funktion des Kartenverwalters innehatte. Während seiner gesamten aktiven Zeit, die mit der Pensionierung am 1. September 1989 endete, hielt er die Verbindung zu seinen musikalischen Wurzeln aufrecht: Als Dank für die Jahre bei den Sängerknaben unterrichtete er von 1957 bis 1967 unentgeltlich Kontrabaß an deren Konvikt, und 1967 wurde er Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle.

Neben seiner Orchestertätigkeit widmete sich Professor Planyavsky, der 1986 sein Studium als Magister artium abschloß, intensiv der Musikwissenschaft: Er schrieb zahllose Artikel, gestaltete viele Radiosendungen und veröffentlichte 1970 „Die Geschichte des Kontrabasses“. Dieses bis heute unübertroffene Standardwerk erschien 1984 in zweiter, wesentlich erweiterter Auflage und wurde auch in japanischer Sprache publiziert. 1974 gründete er unter der Ägide des Instituts für Musikforschung der Nationalbibliothek das Wiener Kontrabaßarchiv, 1989 schrieb er das Buch „Der Barockkontrabaß Violone“ und verfaßte den Artikel „Kontrabaß“ in „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ (MGG), somit in einem der renommiertesten Musiklexika der Welt: Professor Planyavskys Wirken reichte in vieler Hinsicht weit über Österreich hinaus, wobei die Ernennung zum Ehrenpräsidenten der von ihm mitbegründeten, nach einem führenden Kontrabassisten des 18./19. Jahrhunderts benannten Internationalen Johann-Matthias-Sperger-Gesellschaft ein Ausdruck der Anerkennung war, die er sich in Fachkreisen erworben hatte.


Horst Hajek Horst Hajek | + Am 22. August 2013 erlag in Wien Universitätsprofessor Horst Hajek nach längerem Leiden einer schweren Erkrankung. Da seine Eltern nach der Zerstörung ihrer Wiener Wohnung durch einen Luftangriff nach Oberösterreich übersiedelt waren, kam Horst Hajek am 30. Mai 1944 in Wels zur Welt. Die Pflichtschule besuchte er in Eferding, wo er auch den ersten Musikunterricht erhielt – Blockflöte ab dem achten, Klarinette ab dem zehnten Lebensjahr. Nach Abschluß der Hauptschule (1958) besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Linz und setzte das Klarinettenstudium bei Karl Schatz an der Musikschule Linz fort. Nachdem er mehrere öffentliche Auftritte absolviert hatte, wurde er vom damaligen philharmonischen Soloklarinettisten Rudolf Jettel in dessen Klasse an der Wiener Musikakademie aufgenommen, wo er im Februar 1965 die Diplomprüfung mit Auszeichnung ablegte. Bereits im Mai 1964 hatte er ein Engagement im Mozarteumorchester Salzburg erhalten; er gehörte diesem Ensemble allerdings nur von Jänner bis Juli 1965 an, da er nach einem weiteren erfolgreichen Probespiel mit 1. September 1965 in das Orchester der Wiener Staatsoper wechselte. 1971 avancierte er zum ersten Klarinettisten, per 1. März 1973 erfolgte seine Aufnahme in den Verein Wiener Philharmoniker, dessen aktives Mitglied er bis zu seiner Pensionierung am 1. Jänner 2007 blieb.

Neben der Orchestertätigkeit gehörte Horst Hajek von 1966 bis 1986 dem „Ensemble Kontrapunkte“ an, trat mit dieser Formation als Solist im In- und Ausland (Deutschland, Italien, Slowakei, Ungarn) auf und spielte für den Österreichischen Rundfunk Kammermusik von Béla Bartók, Alban Berg, Leoš Janáček, Arnold Schönberg, Igor Strawinsky u. a. ein. Im Jahre 1978 wurde er an die damalige Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien berufen, seit 1985 führte Horst Hajek, der im Verlaufe seiner Karriere mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Salzburg sowie mit dem Ehrenring der Wiener Philharmoniker ausgezeichnet wurde, als Ordentlicher Professor eine Klasse an der nunmehrigen Musikuniversität Wien, aus der mehrere Mitglieder von österreichischen, japanischen und koreanischen Orchestern hervorgingen.

 

Tags

© 2017 Wiener Philharmoniker RD0003FF4B68AC