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Das Philharmonische Tagebuch

Nachrichten 2014

Mon, 17. February 2014

Dr. Clemens Hellsberg

Nachrichten

 

Zum Gedenken an Karl Löbl

Eine Woche nach Claudio Abbado, am 27. Jänner 2014 (und somit an Mozarts 208. Geburtstag), wurde eine der profiliertesten Persönlichkeiten der heimischen Kulturszene abberufen: Karl Löbl, der „Doyen der Kulturkritik“, erlag im 84. Lebensjahr einer Krebserkrankung, an der er wie Abbado lange Zeit gelitten hatte. Mit ihm verließ uns eine Persönlichkeit, welche das Kulturleben ebenso beeinflußt hatte wie zuvor der unvergeßliche Marcel Prawy: Das Feuer, das in ihnen brannte, äußerte sich in gänzlich verschiedener Weise; aber es war jeweils Ausdruck tiefster Begeisterung und Liebe zur Kultur, zur Musik.

Karl Löbl begann seine Kritikerlaufbahn als Zwanzigjähriger bei der damals noch britischen „Weltpresse“ und machte nur fünf Jahre später beim „Bild-Telegraf“ (dem Vorläufer des „Express“) national wie international Schlagzeilen, als er den Direktor der soeben wiedereröffneten Wiener Staatsoper, Karl Böhm, zur Aussage provozierte, er denke nicht daran, seine internationale Karriere dem Haus am Ring zu opfern: Die zweite Ära Böhms als Direktor der Wiener Staatsoper war damit nach ebenfalls nur kurzer Zeit beendet. Löbl wurde Kulturchef und Chefredakteur des KURIER und 1980 Leiter der Kulturabteilung des ORF – eine für die meisten einschlägig Interessierten logische Berufung: Durch die 1968 etablierte Radiosendung „Lieben Sie Klassik?“ sowie den TV-Kommentar „Nach der Premiere“ hatte er längst landesweite Bekanntheit erlangt.

Selbstverständlich blieb Karl Löbl nicht unumstritten.  Vom Attribut „Kredenz auf Radln“, mit dem er die Wagnersängerin Gertrude Grob-Prandl belegt hatte, distanzierte er sich im 2013 erschienenen Buch „Der Salonlöwe“, und es war berührend, wenn er auch in persönlichen Gesprächen – das letzte, mit gewohntem Elan und Brillanz, am 26. Dezember des Vorjahres – durchaus selbstkritisch manche seiner früheren Urteile revidierte. Auch sein Verhältnis zu unserem Orchester war nicht immer ungetrübt, wobei allerdings die einzige schwerere Auseinandersetzung auf die Reaktion des damaligen Vorstands Hermann Obermeyer zu reduzieren ist, die nicht nur aus heutiger Sicht skurril bis bedenklich erscheint und mit Obermeyers sonstiger Amtsführung nicht korrespondierte: Nach dem von Dimitri Mitropoulos geleiteten Abonnementkonzert vom 27./28. September 1958 hatte Karl Löbl im „Express am Morgen“ geschrieben, daß die Zweite Symphonie von Franz Schmidt „fast wie ein gutes Stück klang, weil sie von Mitropoulos mit Energie und gewaltigem Aufwand an effektvollen Retuschen zumindest spannend nacherzählt wurde. An ihrer akademisch fundierten, schönseligen, wenn auch durchaus achtbaren Hinterwäldler-Mentalität vermochte allerdings auch er nichts zu ändern.“ Obermeyer fühlte sich dadurch zu einem „Kreuzzug“ in Form einer Publikumsbefragung und Überlegungen hinsichtlich eines Hausverbots für Löbl veranlaßt und beschwor damit eine weit über den Anlaß hinausgehende Kontroverse herauf – die zur Folge hatte, daß er bei der wenig später anstehenden Vorstandswahl keine Stimmenmehrheit erhielt.

Eine Generation später war diese Episode längst Geschichte, während sich nun Karl Löbl seinerseits der Geschichte unseres Orchesters in markanter Weise widmete, indem er im Frühjahr 1992 die Fernsehdokumentation „Wien bleibt Wien – 150 Jahre Wiener Philharmoniker“ gestaltete und am 14. November 1992 in einer Feierstunde unter Mitwirkung von Carlos Kleiber und Michael Heltau im Goldenen Saal das Buch „Demokratie der Könige. Die Geschichte der Wiener Philharmoniker“ von Clemens Hellsberg präsentierte. Seine Verdienste um das 150-Jahr-Jubiläum veranlaßten das Plenum, Karl Löbl am 14. Juni 1995 als erstem Journalisten die Nicolaimedaille in Gold zu verleihen, was weit über den Dank für die langjährige Verbundenheit hinaus als Würdigung seiner großen Leistungen für die Kultur anzusehen war und ist.

„Die Kultur verlor ihre große Stimme“, titelte Gert Korentschnig im KURIER seinen Nachruf auf den einstigen Chefredakteur der Zeitung. In der Tat: Karl Löbls Stimme war ein Synonym für unablässige, wache Auseinandersetzung mit den kulturellen Phänomenen unserer Zeit, und ihr Erlöschen bedeutet den Verlust eines „Leuchtturms“, der über so manche Untiefe hinweghalf.

 

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