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Die Geschichte der Wiener Philharmoniker

Dr. Clemens Hellsberg

Der Beginn

Wiener Philharmoniker 1864 ≡ InfoWiener Philharmoniker 1864 | + Zoom

Bis zum ersten Philharmonischen Konzert am 28. März 1842 besaß die Stadt der nach ihr benannten "Wiener Klassiker" - Haydn, Mozart und Beethoven - kein aus Berufsmusikern bestehendes Konzertorchester. Der Bedarf an Aufführungen symphonischer Werke wurde durch jeweils eigens zusammengestellte Ensembles gedeckt. Orchester, die ausschließlich aus Berufsmusikern bestanden, gab es damals nur in den Theatern.

Mozart, Beethoven, Lachner

Der naheliegende Gedanke, mit einem dieser Klangkörper zu konzertieren, wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts realisiert: Wolfgang Amadeus Mozart verpflichtete im Jahr 1785 das Orchester des Wiener Hofburg-theaters für einen Zyklus von sechs Konzerten.

Auch Ludwig van Beethoven engagierte dieses Ensemble für seine Akademie vom 2. April 1800, in deren Rahmen er die erste Symphonie zur Uraufführung brachte. Bei der Uraufführung der "Neunten" am 24. Mai 1824 spielte hingegen das vom Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde und der Hofmusikkapelle verstärkte Hofopernorchester. Trotz dieser Ereignisse bedurfte es eines skurrilen Umweges, ehe dieses Ensemble, das größte und beste Wiens, selbst als Veranstalter klassischer Symphoniekonzerte auftrat: Der bayerische Komponist und Dirigent Franz Lachner, seit 1830 als Kapellmeister am Hofoperntheater tätig, brachte in den Zwischenakten der Ballettvorstellungen Symphonien Beethovens zur Aufführung. Von diesen Experimenten bis zur unternehmerischen Initiative des Opernorchesters war es nur ein kleiner Schritt, welcher erstmals im Januar 1833 unter Lachners Leitung vollzogen wurde; der von ihm gegründete "Künstler-Verein" löste sich jedoch aufgrund struktureller Mängel nach vier Veranstaltungen wieder auf.

Die Geburtsstunde: Otto Nicolai

Otto Nicolai + Zoom Im Jahre 1841 wurde Otto Nicolai (1810 - 1849) als Kapellmeister an das Kärntertortheater berufen. Gedrängt von führenden Persönlichkeiten aus dem Musikleben Wiens, griff er die Idee Lachners auf und dirigierte am 28. März 1842 im Großen Redoutensaal ein "Großes Concert", das vom "Sämmtlichen Orchester-Personal des k.k. Hof-Operntheaters" veranstaltet wurde. Diese "Philharmonische Academie", so der ursprüngliche Titel, gilt mit Recht als die Geburtsstunde des Orchesters, weil erstmals alle Prinzipien der bis heute gültigen "Philharmonischen Idee" verwirklicht wurden:

 

  • nur ein im Orchester der Wiener Staatsoper (früher: Hofoper) engagierter Künstler kann Mitglied der Wiener Philharmoniker werden;
  • es besteht künstlerische, organisatorische und finanzielle Eigenverantwortlichkeit; alle Entscheidungen werden von der Hauptversammlung der aktiven Mitglieder auf demokratische Weise getroffen;
  • die eigentliche Verwaltungsarbeit wird von einem demokratisch gewählten Ausschuß, dem zwölfköpfigen Komitee, durchgeführt.

Noch vor den politischen Ereignissen des Jahres 1848 wurde mit Hilfe eines revolutionär neuen Modells - demokratische Selbstbestimmung und unternehmerische Initiative einer Orchestergemeinschaft - endlich jene Basis geschaffen, welche die technisch und musikalisch einwandfreie Wiedergabe klassischer symphonischer Werke ermöglichte. Freilich war dies erst ein Anfang - es bedurfte schwerer Rückschläge und leidvoller Erfahrungen, ehe die Musikervereinigung zu tatsächlicher Stabilität gelangte.

Otto Dessoff

Otto Dessoff ≡ InfoOtto Dessoff | + Zoom Unter der Führung Otto Dessoffs (1835 - 1892) wurde das Repertoire konsequent ausgebaut, wichtige organisatorische Grundlagen (Notenarchiv, Geschäftsordnung) geschaffen und ein drittes Mal das Konzertlokal gewechselt: Mit Beginn der Saison 1870/71 übersiedelte man in den Goldenen Saal des Musikvereinsgebäudes in Wien, der seither die ideale Wirkungsstätte der Wiener Philharmoniker ist und durch seine akustischen Qualitäten Klangstil und Spielweise des Ensembles beeinflußte.

Die Philharmonischen Abonnementkonzerte

Als Nicolai im Jahre 1847 Wien für immer verließ, brach das junge Unternehmen beinahe zusammen, fehlte ihm doch mit einem Schlag nicht nur der künstlerische, sondern auch der administrative Leiter. Nach zwölf Jahren der Stagnation brachte schließlich eine grundlegende Neueinführung die ersehnte Wende: Am 15. Januar 1860 fand im Kärntnertortheater das erste von vier Abonnementkonzerten unter der Leitung des damaligen Operndirektors Carl Eckert (1820 - 1879) statt. Seither bestehen die "Philharmonischen Konzerte" ohne Unterbrechung und haben als einzige grundlegende Änderung den Wechsel vom jeweils für die Dauer einer Saison gewählten Abonnementdirigenten zum Gastdirigentensystem erfahren.

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