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Das Philharmonische Tagebuch

Do, 07. November 2002

Clemens Hellsberg

 

Zum 10. Todestag von Gerhart Hetzel

Am 29. Juli 1992 erschütterte ein unfaßbarer Todesfall die musikinteressierte Öffentlichkeit des In- und Auslands: Professor Gerhart Hetzel, Erster Konzertmeister der Wiener Staatsoper und der Wiener Philharmoniker, stürzte bei einer Bergwanderung so schwer, daß er nach einer Notoperation im Salzburger Unfallkrankenhaus seinen Verletzungen erlag. Auch zehn Jahre danach ist der Schock, den diese Tragödie auslöste, all jenen, die sie miterlebten, in deutlichster Erinnerung. Und die vergangene Dekade hat bestätigt, was allen Kennern der klassischen Musikszene bereits im Moment seines Todes klar war: Gerhart Hetzel ist nicht nur unvergeßlich, er ist auch unersetzlich. Mit ihm verloren die Wiener Philharmoniker einen überragenden Künstler sowie eine von Humanismus und umfassender Bildung geprägte Persönlichkeit, die in der gesamten Musikszene anerkannt war. Sämtliche Spitzendirigenten bezeichneten ihn wiederholt als besten Konzertmeister der Welt, für die Aufnahmeleiter der diversen Plattenfirmen war er eine unbedingt kompetente künstlerische Instanz, und das Publikum schätzte ihn als Kammermusiker ebenso wie als Solisten. Für uns Philharmoniker bildete Gerhart Hetzel - ohne dies jemals für sich reklamiert zu haben - eine freiwillig anerkannte Autorität, der wir uns jederzeit beugten, weil sie von einem Menschen ausging, dem man absolut vertrauen konnte.

Gerhart Hetzel wurde am 24. April 1940 in Neu-Werbaß im ehemaligen Jugoslawien geboren und erhielt im Alter von fünf Jahren den ersten Violinunterricht. Er setzte seine Studien zunächst in Magdeburg bei Otto Kobin fort, ehe er 1952 in Luzern mit Rudolf Baumgartner und Wolfgang Schneiderhan zusammentraf, der fortan sein Lehrer und Mentor wurde. Von 1956 bis 1960 war er bei den Festival Strings Lucerne tätig, wobei er sich von 1959 bis 1970 als Assistent Schneiderhans an dessen Meisterkursen beteiligte; ab 1963 wirkte er als Konzertmeister des Radio-Sinfonie-Orchesters Berlin, ehe er per 1. September 1969 ein Engagement als Konzertmeister der Wiener Staatsoper erhielt und mit demselben Datum in den Verein Wiener Philharmoniker aufgenommen wurde.

In der Folge bewährte er sich als idealer Konzertmeister und brillanter Solist - unübertroffen bleibt seine Interpretation von Béla Bartóks Violinkonzert Nr. 2, das er mit uns in Wien, Bonn und bei den Salzburger Festspielen 1984 aufführte, unvergeßlich bleibt der 27./28. März 1982, als Nathan Milstein wenige Stunden vor dem siebenten "Philharmonischen" absagte und Hetzel ohne vorherige Orchesterprobe als Solist von Beethovens Violinkonzert einsprang. In unserem Abonnementzyklus brachte er ferner das Brahms-Konzert, Mozarts "Sinfonia concertante", Alban Bergs Kammerkonzert, op. 8, das Konzert für Flöte und Violine von Bohuslav Martinu sowie Bachs Konzert für zwei Violinen, BWV 1043 (mit seinem ehemaligen Lehrer Wolfgang Schneiderhan), zur Aufführung, wobei Dirigenten wie Janos Ferencsik, Bernard Haitink, Christoph von Dohnányi, Zubin Mehta und Seiji Ozawa seine Partner waren. Die großen Soli der Orchesterliteratur (etwa Strauss' "Heldenleben" oder "Also sprach Zarathustra") gestaltete Hetzel zu eindrucksvollen Erlebnissen, die nicht selten das Prädikat "Sternstunde" verdienten: Die vollendete Wiedergabe des Violonsolos im Benedictus von Beethovens "Missa solemnis" bei den Salzburger Festspielen (15./18. August 1991) wird jedem, der sie miterleben durfte, für immer in Erinnerung bleiben.

Weniger spektakulär, aber von noch größerer Effizienz war Gerhart Hetzels Bekenntnis zum Berufsstand des Orchestermusikers: Obwohl ein großer Geiger, der mühelos als Solist reüssierte, empfand er die Kunstausübung im Rahmen des Opern- bzw. Symphonieorchesters als unabdingbare Bereicherung seines Lebens, als ein beständiges Geben und Nehmen, wie er selbst diesen Tätigkeitsbereich charakterisierte. Erst im Rückblick ist zu erkennen, wie viel er uns dabei gab: Wenn Hetzel sich mit derselben Begeisterung, demselben Einsatz dem Repertoirebetrieb im Orchestergraben der Staatsoper unterwarf, wie er seinen solistischen Auftritten nachkam, dann erfüllte er eine Vorbildfunktion, deren Wert nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Von Hetzels sprichwörtlicher Gewissenhaftigkeit profitierten nicht nur die Studenten, die er an den Musikhochschulen von München (1968-1986) und Wien (1986-1992) ausbildete, sondern die Aufnahmeleiter der diversen Plattenfirmen, die Dirigenten und vor allem die Wiener Philharmoniker. Gerhart Hetzel hat uns ein Vermächtnis hinterlassen, an dessen Erfüllung wir gemessen werden: "Das Beste auf die beste Weise" - diese Maxime der philharmonischen Gründungsväter Otto Nicolai, August Schmidt und Julius Becher machte er zum Leitmotiv seines Lebens, das von höchsten Ansprüchen an sich selbst und gleichzeitig von Toleranz und Humanität im Umgang mit den Mitmenschen geprägt war, wenngleich er aufgrund des unerhörten Arbeitspensums, das er bewältigte, kaum Freundschaften im herkömmlichen Sinn pflegen konnte. Für die Wiener Philharmoniker, deren Konzertmeister er 23 Jahre lang war, bleibt er auch heute, zehn Jahre nach seinem Tod, Vorbild und Maßstab; wer ihm persönlich nahestand, gedenkt seiner nach wie vor in Liebe und Dankbarkeit.

 

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