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Das Philharmonische Tagebuch

Mi, 24. April 2002

 

Abschied von drei überaus verdienstvollen Mitgliedern

Zwischen Juni und Oktober 2001 mußten die Wiener Philharmoniker von drei überaus verdienstvollen Mitgliedern Abschied für immer nehmen. Ihrem Lebenswerk, in dessen Mittelpunkt unser Orchester stand, sind die folgenden Zeilen in Dankbarkeit gewidmet.

Am 13. Juni 2001 verstarb Herr Professor Karl Rosner, unser ältestes Mitglied, im 97. Lebensjahr. Karl Rosner wurde am 24. November 1904 in Vösendorf (Niederösterreich) geboren, studierte an der Wiener Musikakademie Violine bei Gottfried Feist, einem der renommiertesten Lehrer seiner Zeit, bei dem u. a. auch die nachmaligen Philharmoniker Günther Breitenbach, Eduard Larysz, Karl Stierhof und Gustav Swoboda Unterricht nahmen, und setzte seine Ausbildung bei dem international berühmten Virtuosen Jenö Hubay (1858-1937) in Budapest fort. Im Jahr 1932 erhielt Rosner ein Engagement bei den Wiener Symphonikern, denen er fünf Jahre angehörte, ehe er nach erfolgreich absolviertem Probespiel per 1. Jänner 1938 Mitglied des Orchesters der Wiener Staatsoper und zugleich der Wiener Philharmoniker wurde.

Von 1947 bis 1952 war er in der philharmonischen Eigenadministration als Kartenverwalter tätig, konzentrierte sich aber bald auf die Pädagogik: Von 1950 bis 1968 unterrichtete er Violine an der Wiener Musikakademie, wobei zu seinen Schülern unser Primgeiger Helmuth Puffler zählte. Daneben war er erfolgreich als Komponist tätig: Neben Werken für "sein" Instrument, die Violine, schrieb er zahlreiche Fanfaren, Choräle und Märsche für Trompeterchor, darunter die "Fanfare in C-Dur", die viele Jahre hindurch zur Eröffnung des Wiener Opernballs gespielt wurde. Am 1. September 1969 trat Karl Rosner, der 1956 mit dem Professorentitel ausgezeichnet worden war, in den dauernden Ruhestand, machte sich aber weiterhin um das Musikleben seiner Heimatgemeinde Perchtoldsdorf in so hohem Maße verdient, daß neben der Verleihung des Ehrenkreuzes der Marktgemeinde Perchtoldsdorf ein Raum der örtlichen "Franz-Schmidt-Musikschule" nach ihm benannt wurde.

Knapp nach Ende der Saison mußten die Wiener Philharmoniker von einem weiteren Mitglied Abschied nehmen: Völlig überraschend verstarb am 4. Juli 2001 Herr Professor Josef Kondor im 67. Lebensjahr.

Josef Kondor erhielt im Alter von sieben Jahren in Wien, wo er am 25. September 1934 geboren worden war, den ersten Violinunterricht von seinem Vater, dem Musiklehrer Josef Kondor. Ab 1948 studierte er an der Musikakademie Violine bei Josef Drevo, und obwohl er bereits 1954 die Reifeprüfung ablegte, perfektionierte er bis 1956 seine Ausbildung bei Franz Samohyl. Ab diesem Zeitpunkt war er nicht nur ständiger Substitut des Staatsopernorchesters und der Wiener Philharmoniker, sondern trat auch als Gründungsmitglied eines prominenten Kammermusikensembles hervor, nämlich des "Weller-Quartetts", mit dem er 1959 den Internationalen Wettbewerb der Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland gewann. Im Jahre 1961 wurde Josef Kondor Primgeiger der Wiener Symphoniker, denen er allerdings nur zwei Jahre angehörte: Nach erfolgreichem Probespiel erhielt er am 1. April 1964 ein Engagement als Sekundgeiger des Staatsopernorchesters, am 1. November 1965 erfolgte seine Aufnahme in den Verein Wiener Philharmoniker, denen er bis zu seiner Pensionierung am 1. September 1997 als aktives Mitglied angehörte.

Fleiß, völlige Konzentration auf seine Tätigkeit als Orchestermusiker, Bemühen um höchstes geigerisches Niveau auch im Ruhestand, der für ihn keiner war, weil er mit Begeisterung substituierte und am Geschick unserer Vereinigung intensiv Anteil nahm: Josef Kondor, der 1985 mit dem Professorentitel, 1987 mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Salzburg und 1997 mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geehrt wurde und 1990 den Ehrenring der Wiener Philharmoniker erhielt, verkörperte mit seinem Einsatz und seiner Hingabe die "Philharmonische Idee" und blieb bis zuletzt ein Vorbild.

Während des "Beethoven-Zyklus" in Berlin, von dem in der Folge berichtet wird, erreichte uns die Nachricht vom Tod einer legendären Persönlichkeit: Am 9. Oktober 2001 verstarb in Wien Professor Karl Öhlberger nach langem schweren Leiden.

Der am 30. April 1912 in St. Pölten geborene Karl Öhlberger studierte an der Wiener Musikakademie Fagott bei Karl Strobl, dem damaligen ersten Fagottisten der Wiener Philharmoniker. Seine Laufbahn führte ihn ohne "Umwege" direkt in unser Orchester: Nach erfolgreichem Probespiel erhielt er per 1. Oktober 1936 ein Engagement in der Wiener Staatsoper und wurde mit demselben Datum in den Verein Wiener Philharmoniker aufgenommen, wo er bis zum 31. Dezember 1974 als aktives Mitglied tätig war. In seiner Eigenschaft als erster Fagottist bestritt er nicht nur die gesamte Orchesterliteratur, sondern trat auch wiederholt als Solist in Erscheinung, etwa bei Haydns Sinfonia concertante in B-Dur, Hob. I:105, oder bei Mozarts Grand Partita in B-Dur, KV 361, und Sinfonia concertante in Es-Dur, KV 297b. Besonderer Höhepunkt war Mozarts Fagottkonzert in B-Dur, KV 191, das er 1955/56 mit Karl Böhm in Wien, mit Karl Münchinger in Paris und mit Paul Hindemith bei drei Konzerten anläßlich der ersten Japanreise der Wiener Philharmoniker aufführte.

Daneben betätigte sich Karl Öhlberger ebenso erfolgreich als Kammermusiker und Pädagoge: Bereits 1938 wurde er Professor an der Wiener Musikakademie und baute in der Folge eine Klasse von höchstem Rang auf, aus der mit Fritz Faltl, Harald Müller, seinem Bruder Camillo und seinem Neffen Reinhard Öhlberger, Ernst Pamperl, Stepan Turnovsky, Michael Werba und Dietmar Zeman mehr als eine gesamte Fagottgruppe der Wiener Philharmoniker hervorging. Daneben absolvierten unzählige weitere Studenten seinen Unterricht in Bläserkammermusik und bestätigten seinen Ruf als Pädagoge, der neben den exzellenten musikalischen Fähigkeiten auf seinen menschlichen Qualitäten beruhte: Bis zuletzt blieb Karl Öhlberger, der auch in der Pension den Philharmonischen Konzerten stets mit größtem Interesse beiwohnte, für seine ehemaligen Schüler eine Vaterfigur, während er in den Reihen des Orchesters als eine jener Persönlichkeiten anerkannt war, die das Profil der Wiener Philharmoniker prägten. Die Anhänglichkeit seiner früheren Studenten und Kollegen kam auch bei der Seelenmesse, die am 3. November 2001 in der Wiener Servitenkirche gehalten wurde, in berührender Weise zum Ausdruck: Gottfried Boisits, Karl Öhlbergers Neffe Alexander Öhlberger, Johann Hindler, Hannes Moser (Klarinette, Bühnenorchester der Wiener Staatsoper), Wolfgang Vladar, Robert Lorenzi (Horn, Bühnenorchester der Wiener Staatsoper), Michael Werba und Fritz Faltl spielten den langsamen Satz aus der Bläserserenade in Es-Dur, KV 375, von Wolfgang Amadeus Mozart, Reinhard Öhlberger würdigte mit sehr persönlichen Worten das Lebenswerk seines Onkels, während Vorstand Dr. Clemens Hellsberg den letzten Dank der Wiener Philharmoniker zum Ausdruck brachte.

 

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