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Das Philharmonische Tagebuch

Mi., 24. April 2002

 

Zum Tod des Altbundeskanzlers Dr. Josef Klaus

Unter den 44 Persönlichkeiten, welche die Wiener Philharmoniker im Verlaufe ihrer nunmehr beinahe 160jährigen Geschichte zu Ehrenmitgliedern ernannten, befinden sich lediglich zwei Politiker: 1962 erhielten der damalige Finanzminister Dr. Josef Klaus und Unterrichtsminister DDr. Heinrich Drimmel diese Auszeichnung auf einstimmigen Beschluß der Hauptversammlung. Es war ein kulturpolitischer Durchbruch gewesen, welcher den Anlaß für diese Ernennung bildete. Seit Jahrzehnten waren alle Bestrebungen, die Gehälter des Staatsopernorchesters anzuheben, vergeblich geblieben, weil aufgrund der festgelegten Relationen eine Erhöhung der Orchestergagen immer auch eine Erhöhung der Bezüge aller anderen Gruppen des Hauses am Ring bedeutete. Das Protokoll der Hauptversammlung vom 26. Mai 1962 schildert in knappen Worten Vorgeschichte und Lösung des Problems: "Alle Bemühungen der vorgenannten Art sind bisher gescheitert. Das Orchester sah sich daher genötigt, die ihm vermöge seiner künstlerischen Tätigkeit außerhalb der Oper zukommende Position durch eine staatliche Subvention in gebührendem Ausmaß zu sichern. Das hat in mühevoller jahrelanger Arbeit und unter Mithilfe von einflußreichen Freunden der Wiener Philharmoniker endlich zu einem positiven Ergebnis geführt. Der Verein Wiener Philharmoniker erhält daher von nun an eine Jahressubvention in der Höhe von 3,700.000,-."

Die Subvention bedeutete eine neue wirtschaftliche Dimension und ermöglichte der Staatsoper das Engagement von Musikern, die Garanten für die Aufrechterhaltung des künstlerischen Niveaus des Wiener Philharmoniker waren. Das Orchester erkannte augenblicklich die Bedeutung dieser politischen Entscheidung: Am 4. Juni 1962 beschloß das Komitee eine einstimmige Empfehlung an das Plenum, die Minister Klaus und Drimmel zu Ehrenmitgliedern zu ernennen, was in der Hauptversammlung vom 20. Juni 1962 "in dankbarer Anerkennung der Verdienste, die sich beide Herren als Förderer des Orchesters erworben haben", einstimmig erfolgte. Die Überreichung der Ehrenurkunde an Dr. Klaus erfolgte am 27. August 1962 im Rahmen einer "Festsitzung der Wiener Philharmoniker" im Rittersaal der Salzburger Residenz. Konzertmeister Professor Fritz Sedlak dirigierte den ersten, zweiten und vierten Satz von Mozarts Symphonie in A-Dur, KV 201, die Laudatio hielt der damalige Vorstand Professor Dipl.-Ing. Otto Strasser, nachmals selbst Ehrenmitglied und Ehrenvorstand.

Die Wahl der Residenz als Schauplatz dieser Zeremonie war kein Zufall: Von 1949 bis 1961 fungierte Dr. Josef Klaus als Landeshauptmann von Salzburg, und bereits in dieser Eigenschaft bewies er den Wiener Philharmonikern seine enge Verbundenheit. So betonte er etwa in einem Brief vom 1. September 1951: "Gerade in diesem Jahr hat mir die rein physische Leistung des Orchesters einen tiefen Eindruck gemacht, sie hat in mir die größte Hochachtung für die Wiener Philharmoniker erweckt. Der künstlerische Erfolg unserer Festspiele ist zum großen Teil dem weltberühmten Orchester zuzuschreiben." Die folgenden Jahre standen im Zeichen der größten Herausforderung, welcher sich der Landeshauptmann in seiner Eigenschaft als Kurator der Salzburger Festspiele stellte - dem Bau des Großen Festspielhauses. Gegen heftigsten Widerstand auch in der eigenen Partei (heute, beinahe ein halbes Jahrhundert später, bietet die Lektüre der damaligen Tageszeitungen einen faszinierenden Anschauungsunterricht der alten und doch ewig aktuellen Auseinandersetzung zwischen Weitblick und Verharren im Herkömmlichen!) setzte er, unterstützt von Herbert von Karajan, die Errichtung des Hauses durch und sicherte damit die dominierende Rolle der Festspiele, deren künstlerische Träger für ihn immer die Wiener Philharmoniker waren, wie er in einem Brief vom 30. Dezember 1958, also noch vor dem Abschluß der Bauarbeiten, betonte: "Möge es auch nach der Eröffnung des neuen Festspielhauses stets so bleiben, dass die Wiener Philharmoniker [...] immer die vollendetsten Interpreten der Salzburger Festspiele sind."

Dr. Klaus selbst blieb zeit seines Lebens einer unserer treuesten Freunde und Bewunderer. Ob aktiv als Landeshauptmann, Finanzminister und Bundeskanzler oder nach seinem Ausscheiden aus der Politik als ebenso kompetenter wie diskreter Vermittler hinter den Kulissen - stets bedeutete ihm unser Orchesters ein wirkliches Anliegen. Der Grund dafür ist nicht nur in der Liebe zur Musik und Kultur unseres Landes zu suchen, sondern in einer umfassenden Sicht der philharmonischen Tätigkeit. So schrieb er am 1. Jänner 1988 aus Las Palmas: "Wenn ein Einheimischer hier auf seine Frage nach meiner Herkunft erfährt, daß ich ‚austriaco' sei, geht in neun von zehn Fällen ein Lächeln und ein beglücktes Nicken über sein Gesicht und dazu ein einziges Wort: ‚Neujahrskonzert' ... Auf diese Weise geschieht hundertmal mehr zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung unseres Ansehens in der Welt als durch diplomatische Reisen und Schritte!"

Es ist angesichts dieser Verbindung überaus berührend, daß der letzte offizielle Auftritt des Altbundeskanzlers im Rahmen einer Philharmonischen Feierstunde erfolgte - am 22. April 2001 wohnte Dr. Klaus der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Zubin Mehta bei. Es ist ferner bewegend, daß das Begräbnis am 1. August 2001 auf dem Grinzinger Friedhof zwar im engsten Familien- und Freundeskreis, aber unter musikalischer Beteiligung der Wiener Philharmoniker erfolgte. Und es ist schließlich symbolisch, daß der "offizielle", von Rainer Küchl, Clemens Hellsberg, Heinrich Koll und Gerhard Iberer mit drei Sätzen aus Joseph Haydns Streichquartett "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" musikalisch gestaltete Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom am 11. September 2001, an dem die höchsten Repräsentanten der Republik teilnahmen und der die Gelegenheit bot, noch einmal in großem Rahmen das Lebenswerk des Dr. Josef Klaus in den Mittelpunkt zu rücken, von einem welterschütternden Ereignis überschattet wurde - nur drei Stunden zuvor waren die verheerenden Terroranschläge in den Vereinigten Staaten erfolgt. Die Feier im Dom führte somit in nicht zu überbietender Intensität vor Augen, zwischen welch extremen Polen sich unsere Existenz abspielt: Dort Gewalt, Haß und Vernichtung, hier das stille Gedenken an einen Mann, der sein Leben und seine ganze Persönlichkeit in den Dienst der Allgemeinheit und der Menschenwürde stellte.

Die endgültige Beurteilung des politischen Wirkens von Dr. Josef Klaus und seiner wahren Bedeutung für die Zweite Republik ist Gegenstand späterer Geschichtsschreibung. Seine Rolle in der Historie der Wiener Philharmoniker ist bereits längst gesichert, wobei über die Dankbarkeit für seine Unterstützung hinaus seine Liebe zu unserer Vereinigung und zu unserem Musizieren unvergeßlich bleiben wird, die er in einem Brief vom 14. August 1978 einmal mehr in Worte faßte: "Nach dem Erlebnis der Übertragung des 5. Orchesterkonzerts der Salzburger Festspiele 1978 möchte ich Ihnen wieder einmal zum Ausdruck bringen, wie stolz ich auf Sie alle bin und wie glücklich mich nach wie vor die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Philharmoniker macht. [...] Ich bleibe Ihnen immer in Hochachtung und Liebe verbunden."

 

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