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Das Philharmonische Tagebuch

Interna 2017

Mo, 31. Juli 2017

Prof. Reinhard Öhlberger

Interna

 

Nachruf Ernst Ottensamer

Am 22. Juli ist unser dienstältester Soloklarinettist Ernst Ottensamer völlig unerwartet verstorben. Diese fürs erste unbegreifliche und verstörende Nachricht hat weit über die unmittelbare Umgebung des Musikers Verbreitung gefunden. Als jemand, der völlig in der Mitte des Lebens und gleichsam in der totalen Aktivität stand, ist Ottensamer für seine Weggefährten und musikalischen Freunde dermaßen plötzlich weggebrochen, und diese erschütternde Meldung war Anlass für viele, innezuhalten und nachzudenken.

Ernst Ottensamer ist gebürtiger Oberösterreicher, geboren 1955 in Wallern an der Trattnach im Hausruckviertel. Er maturierte in Linz und bekam dort auch seinen ersten Klarinettenunterricht. Die weitere musikalische Ausbildung erhielt er in Wien, an der damaligen Hochschule für Musik. Bei unserem langjährigen Orchestermitglied Peter Schmidl holte er sich (als dessen erster „Meisterschüler“) am Instrument gleichsam den Feinschliff. Nach erfolgreich abgelegtem Probespiel wurde er kurzfristig in das Bühnenmusikorchester der Staatsoper aufgenommen und avancierte mit dem 1. März 1979 zum Orchestermitglied der Wiener Staatsoper; er nahm die Stelle nach dem allzu frühen Ableben unseres Kollegen Christian Cubasch ein. Drei Jahre später wurde er zum 1. März 1982 in den Verein Wiener Philharmoniker aufgenommen. Sein Weg auf die Solostimme war dann gleichsam wie vorgezeichnet, als Alfred Prinz sich nach 38 Jahren 1983 von der Soloposition zurückzog. Diesen wichtigen Platz in der Orchestergemeinschaft hatte er nun 34 Jahre lang inne.

Zusätzlich zu seiner Arbeit im Orchester war Ottensamer als Kammermusiker und Lehrperson tätig. Mit der ihm eigenen Strebsamkeit – und ebenso seiner Durchsetzungskraft – unterrichtete er ab 1986 an der Universität für Musik in Wien, zuerst unterstützend in der Klasse Peter Schmidl; mit 1. März 1995 wurde er zum Vertragslehrer und ab 1. März 2000 zum vertraglichen Universitätsprofessor ernannt. Das gewisse Grundvertrauen in vorgegebene Lehrinhalte sowie deren konsequente Umsetzung in die musikalische Praxis hat dabei seiner Zuverlässigkeit und Prägnanz eine starke Kontur gegeben. „Stilbildung“ war für ihn eine wichtige Säule des Kunstverständnisses, die er eben auch an die nächste Generation weitergegeben hat. Dabei geht es in allernächster Beziehung um seine Söhne, die beide in die Fußstapfen des Vater gestiegen sind und jetzt die Tradition fortsetzen, bei den Wienern so wie den Berliner Philharmonikern. Zusammen mit dem Vater haben sie die außerdem die kammermusikalische Formation der „Clarinotts“ gebildet, deren Tonaufnahmen man jetzt tragischerweise bereits als historisch anzusehen hat.

Kammermusik war insgesamt ein wichtiges Anliegen im künstlerischen Wirkungsbereich Ernst Ottensamers. Was man für den feinsinnigen musikalischen Umgang im kleinen Kreis benötigt, über dergleichen verfügte er in außerordentlichem Ausmaß. Zugleich besaß er den in diesem Bereich so vorteilhaften Instinkt, und ebenso das, was man als „Macherqualitäten“ bezeichnen könnte. Von den Clarinotts abgesehen haben mehrere andere Ensembles sich mit ihrer Gründung auf ihn zu beziehen: die Wiener Virtuosen, das Wiener Bläserensemble, das Wiener Solisten Trio sind darunter. Für diese Aktivitäten hat Ottensamer „gebrannt“ und in sie hat er viel Kraft investiert.

Kein nur annähernd passender Bericht zu Ernst Ottensamer kann ohne Worte über seine Persönlichkeit als Mensch auskommen. Mit ihm war es immer leicht, ins Gespräch zu kommen. Trotz seiner manchmal fast trockenen Art war es allemal möglich, die Begeisterung für die Sache herauszuhören, wenn es ihm um etwas ging. Und als für die Musik Entflammter war er da ein stets unternehmungsfreudiger, fast bis zur Risikobereitschaft glühender Enthusiast. Mit einem Augenzwinkern konnte er dabei das grundsätzliche Faible für Humor unter Beweis stellen. Seine Attitüde am Instrument war keine plakative Schaustellung der Kunst – eher fast ein Understatement. In dieser Form war es ihm möglich, beim Spiel fast ohne „Gestik“ auszukommen – es ging vorrangig ums Zuhören, welche Melodienbögen, welche Ausbrüche er dabei geformt hat. Ist es möglich, dass Ottensamer das, was er an Disziplin und Überdruck in der Musik erlebt hat, dann in sportlichen Anstrengungen gleichsam abbauen wollte? Seine Begeisterung für solche Betätigungen könnte es nahelegen, hier den entsprechenden Ausgleich gesucht zu haben.

Man wird noch oft und viel an ihn denken, seine Kunst in Ehren halten und sich gut an sie und an ihn erinnern, im Orchestergraben wie am Podium. Das Mitgefühl gilt seiner Familie und da im Besonderen seiner Frau Cilli.

 

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