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Das Philharmonische Tagebuch

Do, 01. Juni 2017

Prof. Reinhard Öhlberger

Aktivitäten

 

Sommernachtskonzert Schönbrunn 2017

Wären die meteorologischen Umstände so gewesen wie die ab ab zwei Tage später anrollende Hitzewelle, das diesjährige Sommernachtskonzert im Schlosspark von Schönbrunn hätte besuchermäßig wohl alle Rekorde gesprengt. Am Donnerstag, den 25. Mai, dem Christi-Himmelfahrtstag, fand das besagte Großereignis in einer zwar (kurzfristig!) als witterungsbeständig vorhergesagten aber von den Temperaturen nicht völlig einladenden Atmosphäre statt. Die leicht diversifizierten Berichte der Medien geben Besucherzahlen von bis zu 90.000 Personen an. Im abgesteckten „Veranstaltungsbereich“ des Konzertes, also dem Areal bis zum Neptunbrunnen, wurden 54.300 Besucher und Besucherinnen gezählt. Die Gloriettewiese mit ihrer zusätzlichen Menge der dort geschätzten 30.000 bis 40.000 Personen gilt zwar kameralistisch nicht als dazugehöriges Gelände, es ist aber doch anzunehmen, dass sich diese Leute konzerthalber eingefunden haben?!

Das 14. Jahr der Freiluftkonzertgeschichte hat Maestro Christoph Eschenbach ans Pult gebeten, und das bereits zum zweiten Mal; nun mit Zubin Mehta und Valeri Gergiev der dritte im Bund, der seine Präsenz diesbezüglich verdoppelte. Es wurde heuer ein Leitmotiv der Programmauswahl mit „Mythen und Märchen“ ausgegeben.

Einleitend wurde von Antonín Dvořák die Ouverture „Carneval“ op. 92 gespielt, gleichsam als Mythos der (zeitlosen) Lebensfreude ohne den eingeschränkten Bezug auf etwa eine bloße Faschingsvergnügung. Aus Dvořáks letzter Oper „Armida“ brachte dann die amerikanische Sopranistin Renée Fleming die Arie der Titelheldin aus dem 1. Akt, „Za štihlou gazelou“, sowie aus seiner „Rusalka“ das berühmte Lied an den Mond. Es folgte von Peter Iljitsch Tschaikowsky aus dem Ballett „Dornröschen“ in der Fassung der Suite op. 66a die Nr. II, das „Adagio. Pas d’action“, und die Nr. V, der „Walzer“.

Von Sergei Rachmaninov sang darauf Renée Fleming drei Lieder aus seinem reichen Schaffen für dieses Genre, wobei die ursprüngliche Klavierbegleitung für großes Orchester von Walter Mnatsakanov und Leonidas Leonardi umgearbeitet wurde. Es handelte sich dabei um „Сумерки“ (Sumerki, „Dämmerung“; Text: Iwan Iwanowitsch Tchorzhewsky nach Jean Marie Guyau) op. 21 Nr. 3; „Не пой, красавица!“ (Ne poj, krasavica!, „O sing, du Schöne, für mich nie wieder!“ Text: Alexander S. Puschkin) op. 4 Nr. 4; sowie „Весенние воды“, (Vesennije vody, „Frühlingsrauschen“; Text: Fjodor Iwanowitsch Tyutschew), op. 14 Nr. 11.

Ein absolut märchenhafter Bezug ist für Engelbert Humperdinck mit seinem Vorspiel zur Oper „Hänsel und Gretel“ zu orten, der auf diesen Liedblock folgte. Und wenn man sich moderne Märchen für ein Konzert von der Breitenwirkung des Schönbrunner Sommernachtskonzerts wünscht, dann hat hier auch John Williams mit Musik aus „Harry Potter“ („Hedwig’s Thema“) seine Berechtigung. Den offiziellen Abschluß brachte Igor Strawinsky mit seiner ebenfalls höchst märchenhaften Musik zum „Feuervogel“, deren drei Schlussteile (Danse infernal; Berceuse; Finale) erklangen und mit beleuchtungstechnischer Unterstützung des daraufhin in glühende Rotfarben getauchten Kaiserschlosses ebenso wie der Gloriette den hoffentlich erwünschten Effekt brachten. 

Natürlich ging es ohne Zugaben nicht ab: von Bedřich Smetana spielte das Orchester den Tanz der Komödianten aus der Oper „Prodaná nevěsta“, in unseren Breiten besser bekannt als „Die verkaufte Braut“. Den absoluten Schlusspunkt setzte der von der Tradition geforderte Walzer „Wiener Blut“ op. 354 von Johann Strauss Sohn.

Breiten Raum nahm in der Vorberichterstattung die neue Position der akustischen Konzertmuschel ein, deren Platz ja bisher immer vor dem Neptunbrunnen in der Mitte des Schlossparks gewesen ist. Der Wunsch nach einer Veränderung wird vom Orchester selbst reklamiert und sollte eine Verbesserung der akustischen Verhältnisse bringen. Dabei geht es nicht nur um den Eindruck auf die Anwesenden, sondern auch die Einspielung auf Tonträger, mit der durch die vormalige Aufstellung es immer wieder Probleme gab.

Eingestandenermaßen waren es bislang echoartige Effekte, deren Verdopplungen oder gar Verdreifachungen der Klänge das Publikum zwar „reich beschenken“, wobei solche Danaergeschenke aber gar nicht immer gern angenommen werden. Die breite Schlossfront hatte dabei eine nicht nur für die Musiker deutlich hörbare Echowirkung, und einzelne „Orchesterschläge“ (die ja so gut wie in jedem plakativen Musikstück vorkommen) waren durchaus imstande, das metrische Gefüge wenn schon nicht ins Wanken zu bringen so doch merklich zu verunsichern.

Durchaus einen Vorteil ergibt sich aus der jetzt möglichen Energieversorgung: musste bis dato doch sämtlicher Strom in der Klangmuschel aus Generatoren erzeugt werden, weil der Schönbrunner Schloßpark insgesamt über keine flächendeckende Stromversorgung verfügt. Grundsätzlich ja nur für den Besuch bei Tageslicht gedacht, ist die abendliche oder nächtliche Wegebeleuchtung ausschließlich über einzelne Generator-Kraftstationen möglich, die dem abziehenden Publikum den Weg hoffentlich stolperfrei ermöglichen. Vielleicht wird dem einen oder anderen Besucher die Aufschrift „Lichtmastenverhuur.nl“ auf diesen Lichtstationen aufgefallen sein. Zumindest für den (gar nicht kleinen) Energiebedarf konnte man sich nun für den Konzertaufbau an das Stromnetz des Schönbrunner Schlosses anschließen.

Zusätzlich sind die Windverhältnisse in Betracht zu ziehen: die bis dato einzige Absage des Konzertes im Jahr 2006 war darauf zurückzuführen, weil die in unseren Breiten im Regelfall aus Nordwesten einfallenden Luftbewegungen direkt auf die Konzertmuschel (und zwar auch in sie hinein) einwirkten. Das wäre für die Streichinstrumente absolut untragbar gewesen. Winde aus Südosten sind weitaus seltener wenn auch nicht ausgeschlossen; man denke an Tschernobyl 1986.

Die Konzertmuschel war nicht direkt an der Hauptfassade des Schönbrunner Schlosses aufgebaut, sondern etwa dreißig Meter davor, um den breiten Kiesstreifen als Verbindungsweg zwischen „Schloßpark Ost“ und „Schloßpark West“ zu erhalten. Der so für das Publikum verlorene Raum (wer will schon eine Konzertmuschel von hinten sehen?) wurde freilich mit dem jetzt verfügbaren breiten Areal vor der Neptun-Brunnenanlage hoffentlich mehr als wett gemacht, und außerdem erfreute sich das ansteigende Rasengelände  zwischen Brunnenanlage und Gloriette eines außerordentlichen Zuspruches. Gerade von hier hat man ja nicht nur den Blick auf das Schloss sondern auch noch auf die Peripherie der Stadt. Freilich muss man damit eingestehen, dass dieses Mal für die einziehenden Musikfreunde die Zugangswege deutlich länger waren, und weitere leider unabdingbare Erschwernisse ergaben sich durch genauere Gepäckkontrollen der Sicherheitskräfte.

Am Vorabend des Konzerts, am 24. Mai, fand eine öffentliche Generalprobe statt für geladene Gäste der Firmen Casinos Austria sowie der Raiffeisen Gruppe (Raiffeisen International, Raiffeisen Oberösterreich, Raiffeisen Burgenland). Dies sind für die anfallenden (und gar nicht kleinen) technischen Kosten neben unserem Hauptsponsor ROLEX und weiteren Unterstützern wie der Münze Österreich, der Österreichischen Nationalbank, dem Palais Coburg und der ZZ Vermögensverwaltung auch noch die Öffentliche Hand wie das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sowie die Bundeshauptstadt mit ihrer Abteilung Wien Kultur; für diese wichtigen Hilfen wollen wir uns an dieser Stelle von Herzen bedanken. Weiterer Dank ist an DIng. Gottfried Kellner, den Direktor der Österreichischen Bundesgärten, und Mag. Dr. Franz Sattlecker, den Direktor der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft für die reibungslose und freundschaftliche Zusammenarbeit auszusprechen.

Als Medienpartner danken wir dem ORF, der mit seiner Übertragung (für die Bildregie zuständig war wie im Vorjahr Henning Kasten) abermalig eine ganz besondere Leistung erbracht hat; es waren auch wie schon gewohnt 16 Kameras im Einsatz, nach der Auskunft des Chefkameramanns Wolfgang Hirschl hatte die (in dieser Zahl einbegriffene) „CatCam“, die „Kamerakatze“ an ihrem überlangen Trägerseil für die aktuelle Übertragung einen deutlich geänderten Winkel quer über den Vorderteil des Schloßparks, um die Gebäudefassade möglichst aus der Nähe und ohne optische Beeinträchtigung durch die technischen Aufbauten zu erfassen.

Die Moderation der österreichischen Übertragung war wieder Barbara Rett anvertraut. – Wie in den letzten Jahren waren über 80 Länder weltweit an den Übertragungen beteiligt. Das Sommernachtskonzert hat sich damit seinen fixen Platz in der internationalen Präsentation klassischer Musik bewahrt.

Der Aufenthaltsbereich für das Orchester und die technischen und administrativen Helfer lag diesmal im Schloß Schönbrunn selbst; in den so genannten „Weißgoldzimmern“ links an der Hauptfront; hier waren sowohl die Instrumentenkisten wie auch eine Art Erfrischungsraum untergebracht, der von einer Kaffeestation („Kaffee Alt Wien“) sowie als Hauptträger der leiblichen Erholung von der Firma Joseph Brot bestückt wurde, wofür wir uns an dieser Stelle ebenfalls sehr bedanken wollen.

Eingebunden in die Unterstützung des Konzerts waren auch das Unternehmen „Art for Art“ von der Wiener Staaatsoper für Ausstattungsteile und ebenso die Firma Bösendorfer für die Bereitstellung des Flügels.

Die eigentliche Organisation des Sommernachtskonzertes lag heuer erstmalig bei der GANZTON Veranstaltungen GmbH, deren Kopf (und Kragen) in Person des Herrn Helmut Mutschlechner und seiner Partnerin Anneliese Pontiller auszumachen ist. Der doppelte Wechsel (Konzertmuschel-Position wie des Managements) hat natürlich Herausforderungen vielfacher Art gebracht. Man konnte sich diesen Herausforderungen erfolgreich stellen.
Unser Orchestermitglied Thilo Fechner war als Generalverantwortlicher der Wiener Philharmoniker für das Sommernachtskonzert ebenso wie im Vorjahr Kontaktperson, Klagemauer, Reibebaum und Zirkuspeitsche in einer Person, und trug alle diese Würden mit Geduld und Hingabe, im Einsatz für das Projekt.

 

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