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Das Philharmonische Tagebuch

Di., 03. Dezember 2019

Prof. Reinhard Öhlberger

Aktuelles

 

Zum Ableben von Mariss Jansons

Mariss Jansons ©  Terry Linke Mariss Jansons | + In der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember 2019 ist Maestro Mariss Jansons verstorben. Die Bestürzung über diesen großen Verlust hat sich in einem großen medialen Widerhall niedergeschlagen, sie ist aufgrund des Naheverhältnisses des Orchesters zum Maestro geradezu jedem Musiker, jeder Musikerin im Orchester anzumerken. Mariss Jansons ist unser Ehrendirigent gewesen, die Wiener Philharmoniker standen mit ihm in so spezieller künstlerischer Verbundenheit und in freundschaftlichem Umgang, was nun eine klaffende Lücke hinterläßt. Dass das Ableben just zum Sonntagstermin desjenigen Abonnementkonzertes publik wurde, das er selbst hätte leiten sollen und das er aus gesundheitlichen Gründen hatte absagen müssen, dieser schicksalhafte Zufall hat zur Betroffenheit jedes einzelnen von uns noch besonders beigetragen.

Geboren am 14. Jänner 1943 in Riga, stammend aus einer hochmusikalischen Familie mit einem Dirigenten als Vater und einer Sängerin als Mutter, erlebte Mariss Jansons eine Ausbildung am St. Petersburger Konservatorium in den Fächern Violine, Klavier und Kapellmeister. Seine Begeisterung für die Musik aber auch für die Ausführenden muss signifikant gewesen sein, er berichtete später in einem Interview, als junger Mann alle Musiker der St. Petersburger Philharmonie mit Namen gekannt zu haben. Ab 1969 studierte er weiters bei Hans Swarowsky in Wien und gewann 1971 beim Internationalen Dirigentenwettbewerb Herbert-von-Karajan einen Preis. Die besondere und langjährige Beziehung zu Oslo Filharmonien (ein Orchester, das 2019 seinen 100jährigen Bestand gefeiert hat) ist aus der reichhaltigen Liste der Chefpositionen von Maestro Jansons hervorzuheben, er war dort von 1979 bis 2000 mit der Leitung betraut. London Philharmonic, Pittsburg Symphony, Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks, Concertgebouw Amsterdam, Stationen einer so beachtlichen Karriere wären hier als bedeutende Funktionen zu nennen, deren Details in den Medien wie im Internet präsent sind. 

Dass Mariss Jansons erst mit 49 Jahren bei den Wiener Philharmonikern debutiert hat, läßt sich im Rückblick nur mit Bedauern feststellen. Die Statistik spricht von 122 Auftritten zwischen 1992 und 2019, was im Verhältnis zu anderen Häufigkeiten einerseits nicht den besonderen Rekord darstellt. „Die Spur“, die Jansons im Orchester freilich hinterlassen hat, steht in keinem Verhältnis zu dieser Anzahl von Terminen. Zum statistisch eisernen Bestand seiner Arbeit mit dem Orchester zählen die drei Auftritte in den Neujahrskonzerten von 2006, 2012 und 2016. Insgesamt dreimal hat uns Mariss Jansons aus gesundheitlichen Gründen leider im Abonnementbetrieb absagen müssen, im Juni 2000 sprang für ihn Sir Roger Norrington ein, im Juni 2010 war es Antonio Pappano; aktuell ist für den letzten Fall Jakub Hrůša anzuführen.

Von den Tourneen mit Maestro Jansons werden zwei Destinationen besonders im Gedächtnis bleiben: im Juni 2001 konzertierten wir mit ihm in Garmisch-Partenkirchen, wo im Olympiastadion, dem Schauplatz der olympischen Winterspiele von 1936, von Richard Strauss die Alpensymphonie erklang. Zur Wiedereröffnung des Teatro la Fenice in Venedig reiste man über London und Köln an, am 20. Dezember 2003 fand dann im Rahmen einer feierlichen Eröffnungswoche ein Mendelssohn-Schumann-Mussorgsky-Programm statt. Die letzte Begegnung mit Jansons trug sich im Juni 2019 zu, nach dem Abonnementkonzert vom 1. und 2. Juni waren es ein Konzert in Paris im Thèâtre des Champs-Elysées und dann in Hamburg in der Elbphilharmonie, letzteres am 5. Juni.

Was macht den Verlust, den wir durch das Ableben von Mariss Jansons erleben, so substantiell? Es tritt mit ihm eine solche gebündelte Menschlichkeit von der Bühne ab, eine Person, getragen von Sympathiewerten, ebenso wie sie selbst solche starken Empathien den Musikern entgegenbrachte. Und es gibt noch eine Eigenschaft, die Jansons auszeichnete: er konnte sich in seinen interpretatorischen Wünschen überaus präzise ausdrücken, er konnte erfüllbare Forderungen stellen, seine Proben waren von großer Farbigkeit – auch sprachlich. Dem Chronisten ist noch ein Ausdruck im Gedächtnis, den er hier einfach anführen muss: „Wir sollten hier in den Streichern etwas leiser sein, dann kann das Fagott besser solieren!“ Nun, das Verb „solieren“ ist zwar in keinem Duden zu finden, es hat aber damals trotzdem jeder begriffen, was gemeint war …

Was bei Mariss Jansons unter humaner Ethik zu verstehen ist und wie er sie gelebt hat, läßt ein kurzer Bericht erahnen, den der auf der letzten Reise mitreisende Arzt zu erzählen wußte. Dr. Fritz Sterz stand an jenem 5. Juni 2019 in Hamburg so gut wie das ganze Konzert hinter dem Beobachtungsfenster der Podiumstüre, das Orchester wie auch den Dirigenten im Blickfeld. Beim Abtreten des Dirigenten wollte ihn wie man es kennt eine kleine Equipe von Persönlichkeiten in Empfang nehmen und begratulieren. Jansons aber „schnappte“ sich den Arzt und strebte mit ihm der Sologarderobe zu. Dort faßte er Dr. Sterz an den Schultern – es sollte wohl eine Umarmung werden – und sagte bewegt: „Doktor, ich habe Sie die ganze Zeit gesehen; Sie haben gut auf mich aufgepaßt, dadurch habe ich gewußt, ich komme durch das Konzert. Danke!!“ – Aus dieser kleinen Szene ist vielleicht zu ermessen, was elementare Angst bedeuten kann; aber auch, was Dankbarkeit für eine Kategorie darstellt, wenn sie von einem Menschen vom Format eines Mariss Jansons ausgesprochen wird.

 

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