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Startseite > Sommernachtskonzert : Sommernachtskonzert 2019 > Sommernachtskonzert

Schloß Schönbrunn: Natur, Kunst und Geschichte, 
Musik und Lebensfreude

Dr. Otto Biba

Seit Kaiser Maximilian I. und dem Jahr 1569 hatten die Habsburger dort ein Refugium, wo sich heuet das Schloß Schönbrunn und sein Schlosspark befinden. Hier gab es erst ein kleines Jagdschlösschen, das während der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 zerstört würde. Zwöf Jahre später – der Wien bedrohende Expansionsdrang des Osmanischen Reiches war endgültig gebannt – entschloß sich Kaiser Leopold I. hier ein Sommerschloß erbauen zu lassen, für das Johann Bernhard Fischer von Erlach die Pläne lieferte, das in etwa zwanzigjähriger Bauzeit vollendet war. Der damals regierende Kaiser Karl VI. hatte jedoch kaum Interesse daran, sodaß das neue Schloß mitsamt seinem Park im wahrsten Sinne des Wortes in einen Dornröschenschlaf versank.

 

Umso größer war die Freude der Tochter des Kaisers, Maria Theresia, und ihres Gatten Franz Stephan (seit 1745 Kaiser Franz I.) an Schönbrunn: Das Schloß wurde 1744 bis 1749 umgebaut, der Park wurde neu gestaltet, der Tiergarten wurde angelegt, das Schlosstheater wurde umgestaltet, 1775 die Gloriette fertiggestellt, und in ihrem Todesjahr 1780 hat Maria Theresia gerade noch die Vollendung des Neptunbrunnens erlebt.


Das Sommerhalbjahr hat sie, soviel wie nur möglich, in Schönbrunn verbracht, obwohl dort durch fast vierzig Jahre Baustelle war. Bald nach dem Beginn  der Umbauarbeiten hat sie bei einem Spaziergang durch den Park einen Buben ganz oben auf dem das Schloß umgebenden Baugerüst gesehen. Sofort rief sie ihm zu, vorsichtig herunter zu kommen, ermahnte ihn, was ihm alles hätte passieren können, und fragte ihn schließlich, warum er da hinaufgeklettert sei. Er hatte gehofft, von dort oben seinen Heimatort Rohrau und sein Elternhaus sehen zu können, antwortete der etwa Zwölfjährige, der zeitlebens von dieser Begegnung erzählte: Er war Joseph Haydn, der als Domsängerknabe zu musikalischen Produktionen nach Schönbrunn gekommen war und froh war, dem Internatsleben im Kapellhaus zu St. Stephan in Wien zu entweichen. 

 

Auch Wolfgang Amadeus Mozart kam als Kind nach Schönbrunn, um dort am 13. und 21. Oktober 1762 vor der kaiserlichen Familie zu konzertieren. Daß der Sechsjährige von der Kaiserin mütterlich betreut wurde und mit deren gleichaltrigen Kindern spielte, ist aus allen Mozartbiographien weidlich bekannt. Im Jahr 1786 ist Mozart auf besondere Weise hier künstlerisch tätig gewesen: 

Am 7. Februar brachte er in der Orangerie – dem einzigen großen beheizbaren Saal im Schloß-Areal – sein Singspiel „Der Schauspieldirektor" zur Uraufführung. Der Anlaß war der Besuch des Gouverneurs der österreichischen Niederlande, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, und seiner Gemahlin, Erzherzogin Marie-Christine, einer Schwester des Kaisers. Ihnen wollte Kaiser Joseph II. ein besonders ungewöhnliches Fest bieten: Im Winter Oper und Souper im Sommerschloß war tatsächlich ein nicht alltäglicher Einfall. 

In Haydns und Mozarts Leben waren das wichtige Episoden; den Ruf, ein Musikzentrum zu sein, verdankte Schönbrunn aber nicht diesen später weltberühmten Kindern, sondern der höfischen Musikpflege, die, wenn „die höchsten Herrschaften" dort residierten, von der Hofburg nach Schönbrunn transferiert wurde. Dann musizierte hier die Hofmusikkapelle, die Hofoper bespielte das Theater, Christoph Willibald Gluck führte eine Oper in den Räumen des Schlosses auf, in der Schlosskapelle wurden solenne Hochämter mit reich besetzter Musik zelebriert, und Kaiser Joseph II. überraschte einen prominenten Gast im Februar 1786 – Schönbrunn war längst nicht mehr nur eine Sommerresidenz - mit der Produktion zweier Einakter von Mozart und von Salieri in der Orangerie des Schlosses. Im Park gab es Freiluftmusiken und im Schlosshof hörte man regelmäßig die Militärmusik der Wache. 

Empfang in Schönbrunn anlässlich der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages, 15. Mai 1955 ©  Österreichische Nationalbibliothek ≡ InfoEmpfang in Schönbrunn anlässlich der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages, 15. Mai 1955 | + Zoom Damit war ein Standard für das Musikleben im Schloß und Schlosspark vorgegeben, das Modifikationen unterworfen war, aber nie abriß. Der Wiener Kongreß brachte 1815 nicht nur eine musikbegleitete Schlittenfahrt der in Wien anwesenden Regenten nach Schönbrunn, sondern auch (in dieser Form unwiederbringliche) glänzende musikalische Feste hierher, während unter Kaiser Franz Joseph hier statt der Hofmusikkapelle die Militärmusikkapellen dominierten, deren öffentliches Spiel neugierige Besucher anzog. 

 

Aus den vielen detailreichen Facetten der Musikgeschichte Schönbrunns sei nur noch eine hervorgehoben: Beim festlichen Dinner in der Großen Galerie des Schlosses anlässlich der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages im Jahr 1955 musizierten hier erstmals Mitglieder der Wiener Philharmoniker. 

Illumination, also festliche Beleuchtung des Gartens, Serenaden, ein Ball für viertausend Gäste in einem eigens dafür im Garten errichteten Zelt – das waren zur Zeit Maria Theresias Selbstverständlichkeiten der Repräsentation nicht nur im Schloß, sondern auch im Schloß-Garten von Schönbrunn. Damals waren es geladene Gäste, die sich zu solch nächtlicher Musik in den Gartenanlagen versammelten. Heute hat beim Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker in Schönbrunn jedermann freien Zutritt.

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