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Das Philharmonische Tagebuch

Do, 28. April 2016

Prof. Reinhard Öhlberger

Nachrichten

 

Abschied Clemens Hellsberg

Hier kommt unter dem Titel „Abschied“ einiges zusammen: 2014 beendigte er seine Tätigkeiten als Vorstand der Wiener Philharmoniker, als Leiter des Historischen Archivs, als Tagebuchautor der philharmonischen Programmhefte.Nun ist Prof. Dr. Clemens Hellsberg knapp zwei Jahre später mit dem 1. Februar 2016 in den Stand des Pensionisten vorgedrungen. Unser Altvorstand hat sich freilich gewünscht, noch bei einem späteren Konzertvorhaben dabei sein zu können, und dabei handelt es sich um das hier und jetzt stattfindende siebente Abonnementkonzert. Die erste Substitutentätigkeit des damals 22jährigen Clemens Hellsberg bei den Philharmonikern war ein Konzert mit Zubin Mehta gewesen, das am 21. Juni 1974 in Rom stattgefunden hatte. Nach 42 Jahren abermalig – und jetzt zur Beendigung der Orchesterkarriere – unter unserem Ehrenmitglied zu spielen, das hat für Hellsberg als historische Rundung der besonderen Art sein Gewicht. Das große Anliegen, dass Maestro Mehta seinen 80. Geburtstag in Wien verbringen möge, wurde schon sehr früh vorausgeplant und fällt damit noch in die Kompetenz des Ancien Regime.

Clemens Hellsberg wurde am 28. März 1952 in Linz geboren. Seinen ersten Violinunterricht erhielt er von seinem Vater, Prof. Dr. Eugen Hellsberg, im Alter von viereinhalb Jahren. 1970 maturierte er am Wiener Schottengymnasium, seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der damaligen Wiener Musikhochschule bei Prof. Eduard Melkus ab 1971, bei Prof. Alfred Staar ab 1975. Parallel dazu kam ein Studium von Musikwissenschaft und Alter Geschichte an der Universität Wien. Nach dem bestandenen Probespiel fungierte Hellsberg zuerst als Mitglied der Sekundgruppe ab 1. September 1976, dann nach weiterem Probespiel als Mitglied der Primgruppe ab 1. September 1978. Die Aufnahme in den Verein geschah zum 1. Januar 1980; im selben Jahr promovierte Hellsberg zum Dr. phil. der Musikwissenschaft. Ein besonderes Anliegen war ihm Aufbau und Sichtung des Historischen Archives, das aus dem allgemeinen Notenarchiv herauszulösen sich damals als Aufgabe stellte. Die weiteren Stufen der administrativen Karriere waren die Wahl Hellsbergs zum Vizevorstand für 1990 bis 1993 sowie für 1996 bis 1997. Zum 1. Jänner 1993 wurde er auch Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle. Als Vorstand des Vereins Wiener Philharmoniker folgte er dann im Frühjahr 1997 Prof. Werner Resel nach, und die Dauer dieser seiner Tätigkeit hielt nach der ersten für insgesamt fünf weitere gewählte Funktionsperioden (eine solche dauert in der Regel drei Jahre) bis zum 1. September 2014 an. Hervorzuheben wäre dabei die ordentliche Wahlversammlung vom 9. Mai 2011, in der alle funktionellen Mitglieder des Verwaltungsausschusses – und damit natürlich an erster Stelle der Vorstand – in offener Abstimmung per acclamationem bestätigt wurden, eine in der Geschichte des Orchesters zumindest nach 1945 noch nie dagewesene Vorgangsweise.

Clemens Hellsberg hat sich selbst nie als Lehrer betrachtet; freilich hat er unter der Ägide von Alfred Staar mit einigen seiner Schüler gearbeitet, darunter mehrere Jahre mit Martin Kubik und dem ältestem Sohn, Dominik Hellsberg.

Die Fülle der Hellsbergschen Agenden und deren Verwirklichung würde in ihrer Gesamtheit den vorgegebenen Rahmen sprengen. Herausgegriffen werden sollen in selbst gewählter Akzentuierung erst einmal seine Tätigkeiten als Autor und Vortragender:
Seit 1985 veröffentlichte Hellsberg zahlreiche musikwissenschaftliche Publikationen, zumeist in den „Musikblättern der Wiener Philharmoniker“ sowie in diversen Fachzeitschriften, Symposionberichten und Schallplattenbeiheften und hielt musikhistorische Vorträge in Europa, Abu Dhabi, Japan, Hongkong und Australien. Anläßlich des 150-Jahr-Jubiläums der Wiener Philharmoniker verfaßte er in dreieinhalbjähriger Arbeit das 700 Seiten umfassende Buch „Demokratie der Könige. Die Geschichte der Wiener Philharmoniker“, welches 1992 als Gemeinschaftsproduktion von Schweizer Verlagshaus, Schott und Kremayr & Scheriau erschien und von dem 13.000 Exemplare verkauft wurden. 1993 erfolgte die Veröffentlichung der französischen, 1994 die Veröffentlichung der japanischen Übersetzung.

Gemeinsam mit o. Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb gab Hellsberg im Mai 2015 die erste deutsche Übersetzung der 1915 in den USA publizierten Kriegserinnerungen von Fritz Kreisler heraus: „Trotz des Tosens der Kanone. Frontbericht eines Virtuosen“ (Originaltitel: Fritz Kreisler: „Four Weeks in the Trenches“), erschienen im Verlag Braumüller in Wien. 2015 erfolgte die Veröffentlichung des Buches „Philharmonische Begegnungen. Die Welt der Wiener Philharmoniker als Mosaik“, ebenfalls im Verlag Braumüller.
Wesentliche Vorhaben Hellsbergs, die eine erfolgreiche Umsetzung erlebten – sowohl während seiner 17 Jahre als Vorstand, aber auch schon in der Zeit davor – sind hier anzusprechen:
Der Aufbau des Historischen Archivs; das Ideenprojekt der Goldmünze „Wiener Philharmoniker“ (1989), von der Münze Österreich verwirklicht und vermarktet; die Jubiläumsfeierlichkeiten anläßlich der 150-Jahr-Feier der Wiener Philharmoniker, verbunden mit der Kuratierung einer Ausstellung in der Wiener Staatsoper (1992); der Plan einer erstmaligen Konzertreise in der Geschichte des Orchesters nach Australien (2006); der Sponsorenvertrag mit dem Schweizer Uhrenkonzern ROLEX; das zuerst als „Konzert für Europa“ und weiterhin dann als „Sommernachtskonzert“ konzipierte alljährliche Open Air Konzert bei freiem Eintritt im Schönbrunner Schloßpark; die Jubiläumswoche „25 Jahre Wiener Philharmoniker-Woche in New York“ unter dem Titel „Vienna: City Of Dreams“ (Februar – März 2014, insgesamt sechs Konzerte); letztendlich das Gedenkkonzert in Sarajevo am 28. Juni 2014.

Es gäbe eine ganze Reihe weiterer – und wahrhaft wichtiger – Konzertprojekte, die in die Ära Hellsberg gefallen sind und an die man sich bei einem solchen Abschied erinnern sollte. Stellvertretend für viele besondere Ereignisse, dabei völlig aus dem Rahmen fallend und dadurch von besonderer Tragweite und Symbolik war die Aufführung der IX. Symphonie von Ludwig van Beethoven am 7. Mai 2000 im Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen. Wer damals an einem solchen Unort der Weltgeschichte dieses Konzert erlebt hat, zusammen mit der vorangehenden Gedenkveranstaltung zum 55. Jahrestag der Befreiung, der wird sich sein Lebtag daran erinnern.

Dass Prof. Dr. Hellsberg auf eine stolze Anzahl von Auszeichnungen und Ehrenzeichen blicken kann, darf hier nicht unerwähnt bleiben. Die komplette Aufzählung erschien ihm allerdings nicht tunlich, und eine nur auszugsweise Erwähnung würde die jeweils unterschlagenen Würdigungen in den Schatten stellen. Deshalb wählt der Schreiber dieser Zeilen beispielhaft die wirklich höchst ehrenvolle „Marietta und Friedrich Torberg-Medaille“ der Israelitischen Kultusgemeinde, die Clemens Hellsberg 2012 erhalten hat; und ebenso beispielhaft mag das ihm 1999 verliehene Komturkreuz des päpstlichen Ritterordens des Heiligen Gregor des Großen zu nennen sein.

Dass dem nun aus dem Kunstbetrieb Ausscheidenden nicht wirklich langweilig werden wird, darf getrost angenommen werden. Die Wünsche gehen damit ganz in die Richtung, dass weder Arbeitskraft noch Ideenreichtum nachlassen sollen, dass man sich der Gesundheit wie der Familie pfleglich widmen möge, den Freuden der Großelternschaft, sie gehen an den geviften Taktiker, den sorglich Planenden, an den Humanisten, an den Menschen, an den freundschaftlich Verbundenen.

 

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