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Das Philharmonische Tagebuch

Wed, 23. September 2015

Prof. Reinhard Öhlberger

Interna

 

Obituary Prof. Friedrich Dolezal

Am 20. August 2015 verstarb nach längerer, schwerer Krankheit unser Orchestermitglied in Ruhe, Cellist Prof. Friedrich Dolezal.

Friedrich Dolezal Friedrich Dolezal | + Friedrich Dolezal wurde am 1. 8. 1947 in Wien geboren, erhielt im Alter von sieben Jahren seinen ersten Cellounterricht an einer Musikschule der Stadt Wien bei Prof. Frieda Litschauer-Krause und setzte sein Studium nach Berufung seiner Lehrerin an die Akademie für Musik und darstellende Kunst (heute: Universität für Musik) ebendort fort. Er legte 1968 die Diplomprüfung mit Auszeichnung ab und ergänzte seine Studien bei Enrico Mainardi und Vladimir Orloff.

Noch während seine Studiums – nach seiner Matura am Wiener Schottengymnasium im Jahr 1965 – wurde er im Theater an der Wien als Solocellist engagiert und trat am 1. 4. 1968 nach erfolgreichem Probespiel und knapp vor seiner Diplomprüfung sein Engagement an der Wiener Staatsoper an. Er wurde 1973 in den Verein „Wiener Philharmoniker“ aufgenommen und avancierte 1974 zum Stimmführer der Cellogruppe, diese Funktion übte er bis zu seiner Pensionierung (2014) aus. Er war in den Jahren 1976 und 1977 für die Organisation des Philharmonikerballes verantwortlich und war von 1977 bis 1978 sowie von 2007 bis 2014 Mitglied des philharmonischen Verwaltungsausschusses. Seit 1995 ist er auch Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle gewesen.

Friedrich Dolezal war über das Orchesterspiel hinaus vielfach kammermusikalisch, solistisch und pädagogisch tätig. Er war Mitglied des vom ehemaligen Konzertmeister Erich Binder gegründeten „Nicolai-Quartetts“ sowie der „Wiener Kammervirtuosen“, aus deren Reihen sich später die neue Besetzung des „Wiener Oktetts“ formierte, dem er bis nach seiner Pensionierung angehörte.

Nach einer kurzen Periode als Mitglied des „Wiener Schubert-Trios“ mit Boris Kuschnir und Klaus Christian Schuster trat er 1985 dem von Konzertmeister Werner Hink geführten „Wiener Streichquartett“ bei, als dessen Mitglied er regelmässig bei Kammerkonzerten der Gesellschaft der Musikfreunde auftrat. Mit dem „Wiener Streichquartett“ unternahm er, ebenso wie mit dem „Wiener Oktett“, Tourneen in Europa, Amerika und Ostasien, und machte zahlreiche Platten- bzw. CD-Aufnahmen. Mit den genannten Ensembles, aber auch als Mitglied des „Ensemble Kontrapunkte“ sowie des „Ensemble 20. Jahrhundert“ war er an zahlreichen Uraufführungen und Aufführungen neuer Musik beteiligt, mit besonderer Berücksichtigung österreichischer Komponisten wie Karl Pilss, Marcel, Rubin, Armin Kaufmann, Gottfried v. Einem, Gerhard Wimberger, Helmut Eder, Otto M. Zykan, Theodor Berger, Ivan Eröd, Thomas Daniel Schlee oder auch Komponisten aus den Reihen der Wiener Philharmoniker, wie Fritz Leitermeyer, Paul Walter Fürst und Alfred Prinz.

Fritz Dolezal hatte den Professorentitel, erhielt das Goldene Verdienstzeichen des Landes Salzburg sowie das Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich.

Dolezal spielte als Solist mit dem Scottish Chamber Orchestra, dem Brucknerorchester Linz, dem New World Symphony Orchestra unter Michael Tilson Thomas, dem Beethoven Orchester Bonn, dem Prager Rundfundksymphonieorchester sowie dem Sapporo Symphony Orchestra. Er unterrichtete als Instrumentallehrer, Orchestererzieher und Kammermusiklehrer bei verschiedenen Instituten, wie der „Jungen Philharmonie“, dem „Internationalen Orchesterinstitut Attergau“, der „Orchestral Academy of the New World Symphony“ (Miami, U.S.A.) sowie dem „Pacific Music Festival“ (Sapporo, Japan).

Neben all dieser Unzahl von Aktivitäten hat dem Menschen Fritz Dolezal hier eine Würdigung besonderer Art zuteil zu werden. Er war ein so überaus angenehmer, positiver Orchesterkollege mit einer sensitiven Begeisterung für sein Instrument und seinen Beruf, die sich beispielgebend auf seine ganze Umgebung auswirkte. Sein Einsatz am Instrument hatte neben dem akustischen Effekt eine ganz persönliche, optische Wirkungskraft. Wenn man hier über die ästhetische Aussage des Cellospiels zu fabulieren begänne, Fritz Dolezal erhielte bei diesem Colloquium einen Ehrenplatz. Darüber hinaus gab es in seinem Personaggio eine Vielfalt anVorzügen, vor allem sprachlicher Talente. Mit dem Fritz über alte Zeiten zu plaudern war ein feinsinniges Vergnügen. Seine stimmungsfrohe Formulierungskunst machte ihn zum Anekdotenerzähler par excellence. Schon sein verschmitzes Lächeln konnte andeuten, dass sich in ihm ein Bonmot vorbereitete, das er dann – zum guten Zeitpunkt und zielgerecht gesetzt   anzubringen wußte. Die feine und gebildete Art des Humors, die er zu verbreiten imstande war, wirkte gleichsam als ein Aushängeschild sowohl für ihn persönlich als auch gleichsam vorbildhaft für den Stand des Musikers, wie sich dieser in einer gepflegten Konversation präsentieren kann oder sollte. Als Familienmensch ist Fritz Dolezal ebenfalls in positiver Weise anzusprechen. Mit seiner Frau Midori hat er zwei Söhne, Raffael und Nikolaus. – Wir werden in der Orchestergemeinschaft noch oft an ihn denken, dankbar über ihn sprechen und sein gelebtes „Vermächtnis“ an Musikkultur in Ehren halten.

 

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